PET-Flaschen und Glas gehören in die vorgesehenen Container. Das Papier fein säuberlich gebündelt vor die Haustür. Das weiss jeder Schweizer. Möbel, Bücher und altes Geschirr landen jedoch nicht zwangsläufig im Brocki oder auf dem dafür vorgesehenen Entsorgungshof. Vieles landet auf den sonst so sauberen Strassen. Zumindest ist das in den grösseren Städten so. Lange glaubte ich nicht, dass das Recycling von Möbeln ohne äusseres Zutun funktioniert – bis meine früheren Mitbewohner entschieden: Das muffige Sofa muss weg. Das Sofa, das auch durch mehrfache Waschgänge des Überzugs nicht sauberer wurde und von dem niemand mehr wusste, wie lange es bereits in der Stube hockte oder wie alt es ist. Es dauerte keine Stunde, bis wir vom Wohnzimmerfenster aus beobachteten, dass ein Nachbar das Sofa ins Haus transportierte.

Was in Zürich mit grossen Möbelstücken funktioniert, klappt in Bern sogar mit Ramsch. Der Ort, an dem sich viele Waren sammeln, ist nahe unserer Wohnung: das Bermudadreieck in der Berner Länggasse. Kaffeetassen mit abgebrochenen Henkeln, alte Magazine oder vergilbte Einlagen für die Geschirrschublade. Alles geht weg. Fast. Denn es hat sich eine neue Dynamik entwickelt: Das Herausstellen von alten, noch halbwegs intakten Gegenständen
ist zu einer eigentlichen Müllablage verkommen. Neulich stellte jemand eine alte Matratze vor die Tür, an der eine tote Maus klebte. Noch bevor es zu regnen begann, klebte jemand einen Zettel hin: «Keep your shit!» Glaubten die Besitzer wirklich, dass die Matratze noch jemand will? Bermudadreieck hin oder her. Der Nachbarschaft zuliebe muss man in solchen Fällen dann halt doch ein paar Franken für die Entsorgung aufwenden.