Es gehört zur helvetischen Wohlerzogenheit, regelmässig einen Batzen auf die Bank zu tragen. Gibts etwas Schweizerischeres als ein Sparkonto? Jeden fünften Franken, den wir verdienen, legen wir auf die hohe Kante. Die Deutschen nur jeden zehnten Euro, die Amerikaner jeden zwanzigsten Dollar.

Lohnen tut sich das Sparen seit Beginn der Tiefzinsphase vor zehn Jahren kaum noch. Trotzdem war der Aufschrei gross, als am Dienstag bekannt wurde, dass mit der UBS erstmals eine Bank gar keine Zinsen mehr zahlt. 0,00 Prozent lautet der aktuelle Satz. «Da kann ich das Geld gleich unter die Matratze legen – ohne Kontogebühren!», hiess es auf Social Media.

Mit dem Nullkommanull-Entscheid schlägt der letzte Stein eines weltweiten Dominos beim Schweizer Sparer auf. Die UBS reagierte letztlich auf die Negativzinsen der Nationalbank. Diese wiederum – aus Angst vor einem zu tiefen Franken-Euro-Kurs – auf die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Und diese auf die US-Notenbank. Und diese auf den damaligen Zusammenbruch des US-Hypothekenmarkts. Zwar sagen uns Experten seit Jahr und Tag eine «Zinswende» voraus, aber tatsächlich gehts immer noch tiefer runter – zurzeit auch wegen geopolitischer Unsicherheiten und eines US-Präsidenten, der gegen Zinserhöhungen antwittert.

Das Sparkonto hat bis auf weiteres ausgedient. Bei aller Wohlerzogenheit: Jetzt ist Kreativität gefragt. Investieren Sie in Ihre Kinder. Oder in Ihre Bildung. Zahlen Sie die Hypothek ab. Kaufen Sie Wohneigentum. Oder Kunst. Und ja: Gutes tun, das lohnt sich immer.

patrik.mueller@chmedia.ch