Für uns Teetrinker ist Sat Hari Singh so etwas wie eine Gottheit. Sein Name bedeutet «Löwe der göttlichen Wahrheit». Singh ist ein Sikh, und Sikhs glauben, dass die Seele nach dem Tod in neuer Gestalt zurück ins Leben geschickt wird. Dem Kreislauf der Wiedergeburt kann entkommen, wessen Seele mit Gott eins wird – indem man dem Weg der Gurus geht, hin zur vollkommenen Erleuchtung.

Allein die Teesorten, die Singh unter der Marke «Yogi Tea» herausgibt, klingen, als würden sie einen mit jedem Beuteli näher ans Licht bringen: «Ruhetee», «Glückstee», «Frischer Geist». Das Beste an den Yogi-Tees sind aber ihre Etiketten: «Du musst die Tiefen kennen, um die Höhen zu erkennen.» Oder: «Die Stärke des Menschen liegt in dem, was er geben kann.» Oder: «Löse deine Probleme nicht, lass sie los.» Wahre Weisheit in wohligen Schlucken.

Singh schreibt die Sprüche auf den Tee-Etiketten alle selber. Sie seien die Essenz der Schriften des verehrten Yogi Bhajan, von dem er die weise Lehre empfangen hatte. Singh trägt einen weissen Turban und sagte der «NZZ am Sonntag» einst: «Der Turban ist eine Art Krönung. Wir krönen uns selbst. Ich brauche niemanden mehr, auch nicht den Papst.» Was nur wenige Teetrinker wissen: Sat Hari Singh heisst eigentlich Klaus Stülpnagel und betreibt in Hamburg ein Teehaus namens «Golden Temple».