Langweilig! So werden die vergangenen Bundesratswahlen beschrieben. Langweilig! Weil Ignazio Cassis einen Start-Ziel-Sieg hingelegt hat. Langweilig ist jedoch eine Untertreibung. Sterbenslangweilig!

Das Resultat dieser Wahl stand schon seit 2015 fest. Sie erinnern sich: Damals wurde der Waadtländer SVP-Nationalrat Guy Parmelin in den Bundesrat gewählt. Die Weichen für die Nachfolge von Didier Burkhalter waren damit gestellt. Parmelins Wahl wurde dem strategischen Geschick von SP-Präsident Christian Levrat und seinem damaligen CVP-Pendant Christophe Darbellay zugeschrieben. Die beiden hatten von der SVP ultimativ eine Westschweizer Kandidatur gefordert. Die SVP kam dem Wunsch nach und nominierte je einen Kandidaten aus allen Landesteilen. Mitte-Links konnte so Blochers-Ziehsohn Thomas Aeschi als Bundesrat verhindern. Doch jetzt rächt sich der Coup. Wie das?

Toni Brunner sorgte 2015 dafür, dass mit Staatsrat Norman Gobbi auch ein Tessiner für die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf kandidierte. Die Tessin-Frage kam damit definitiv auf die Agenda von Bundesbern. Das Terrain für Ignazio Cassis war argumentativ geebnet. Zudem blockiert Parmelin seither die Eingangstür zum Bundesratszimmer für freisinnige Westschweizer. Pierre Maudet und Isabelle Moret waren chancenlos.

Fazit: Levrat und Darbellay haben zwar Aeschi verhindert, aber Cassis den Weg geebnet. Für die Frage, ob das Pendel im Bundesrat nach links oder rechts ausschlägt, ist die Positionierung der FDP-Bundesräte viel entscheidender als diejenige der SVP-Magistraten. 1:0 für Brunner! Cassis bedankte sich bei ihm denn auch mit einer innigen Umarmung. Was für ein Beweis! Tönt wie aus langer Hand geplant, oder? Dumm nur, dass das strategische Geschick von Politikern meist überschätzt wird. Politik ist oft banal: Es regiert der Zufall.