Thomas Tuchel war sauer. Ohnmächtig habe sich der Trainer von Borussia Dortmund gefühlt. Er hätte gerne etwas mehr Zeit gehabt. Dass irgendjemand am Hauptsitz der Uefa in Nyon entschied, dass der Champions-League-Viertelfinal gegen Monaco stattfindet, ohne seinen Club zu fragen, sei nichtgerade glücklich gewesen, sagte er.

Das war gestern Abend um halb sieben. Auf Tuchels Mannschaft, zum Teil 18-, 19-jährige Jungs, war keine 24 Stunden zuvor ein Sprengstoffanschlag verübt worden. Wer mag es dem Coach verdenken.

Dass im Uefa-Kalender kaum Platz ist und man deshalb offenbar gar nicht erst darüber nachdachte, den Dortmundern mehr Zeit zu geben, ist die eine unschöne Nachricht von gestern. Dass Dortmund verlor, die zweite.

Doch was am Abend zuvor, am Tag des Anschlags passierte – in der Stadt wie auch in den sozialen Medien – war schlicht bewundernswert: Gelebte Solidarität. Menschlichkeit. Via Twitter boten Dortmunder gestrandeten Fans der Auswärtsmannschaft Schlafplätze an, Monaco-Anhänger skandierten im Stadion minutenlang «Dortmund, Dortmund». Eingefleischte Schalker, die zu normalen Zeiten kein gutes Wort für Dortmunder übrig haben, solidarisierten sich. Man rückte zusammen. Überall im Land.

Uefa hin, Niederlage her: Wenn es wirklich ernst wird, das ist die Botschaft von Dortmund, stehen wir zusammen. Es ist eine grossartige Botschaft.