Auf den ersten Blick ist die gestrige Ankündigung von Präsident Donald Trump nur folgerichtig. In Washington wurde noch nie ein Geheimnis darum gemacht, dass Jerusalem die rechtmässige Hauptstadt Israels sei – eine Stadt, die «ungeteilt» bleiben müsse, wie in einer Parlamentsresolution aus dem Jahr 1990 nachzulesen ist. Von weit links bis weit rechts wurde die Meinung geteilt, auch weil den meisten US-Politikern Israel schlicht nähersteht als Palästina.

Trump geht nun aber einen Schritt weiter. Er sagte, dass er das Aussenministerium damit beauftragen werde, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen – wolle er doch den politischen Gegebenheiten Rechnung tragen. Diese Ankündigung ist zwar international höchst umstritten, enthält aber auch eine grosse Portion Theaterdonner. Denn theoretisch könnten die USA ihre Botschaft bereits heute nach Jerusalem verlegen, betreiben sie doch in der israelischen Hauptstadt ein gut bewachtes Konsulat. Trump ist sich aber bewusst, dass dieser symbolische Schritt zur Folge hätte, dass die arabische Welt Washington den Rücken zukehren würde. Dieses Risiko dürfte auch dem Hasardeur im Weissen Haus zu hoch sein.

Trumps Regierung feilt hinter verschlossenen Türen immer noch an einem «grossartiger Deal», der Frieden für Israelis und Palästinenser bringen soll. Und solange der US-Präsident daran glaubt, als Friedensstifter in die Geschichte eingehen zu können, wird sich Trump wohl davor hüten, seiner Ankündigung Taten folgen zu lassen und die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen.

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