Mit dem Velo zur Arbeit, in die Stadt oder zum Einkaufen fahren: Die Bernerinnen und Berner sitzen häufiger auf dem Velo als je zuvor. 2017 wurde das Velo um 35 Prozent öfter genutzt als noch vor drei Jahren. Das haben die Zählstationen der Stadt zumindest so registriert.

Und das beschert Freude – gerade unter links-grünen Politikern, die sich als Förderer der Velo-Stadt Bern sehen. Letzte Woche hat SP-Gemeinderätin Ursula Wyss als Verkehrsdirektorin der Stadt ein Velo-Barometer enthüllt. Das ist eine Zählstation, auf der nun auch die Velofahrer ablesen können, wie häufig sie das Velo nutzen.

Natürlich ist das ein Witz. Ein schlechter zwar. Aber die Ironie in dieser Enthüllung ist kaum zu übersehen. Abgesehen davon, dass dieses Zähldings eine Stange Geld kostet, haben die Berner die Anzeigetafel auf dem Bubenbergplatz in Bahnhofsnähe aufgestellt.

Just da, wo die Velofahrer über Tramschienen fahren müssen und die Strasse mit Linien-Bussen, Autos und Fussgänger teilen müssen. Just da, wo die Verkehrssituation schwer zu überblicken ist. Ein idealer Ort für Velofreunde. Bravo!

Bern hat nun also ein Mahnmal zur Erinnerung, was in der Verkehrspolitik schief läuft. Anstatt den Velos ihre eigenen Wege zuzuordnen, anstatt den Verkehr zu entflechten, investiert die Stadt in nutzlose Tafeln und schlimmer noch in die «Velooffensive», ein Verleihsystem. 

Im Unterschied zu den Zürchern, deren Angebote privat finanziert sind, zahlen die Berner Steuerzahler für den Quatsch auch noch. Das zu einem Zeitpunkt, da in Bern nicht nur viele bereits ein Velo besitzen, wie die überfüllten Parkplätze zeigen, sondern auch vermehrt E-Bike fahren - was wohl der wahre Grund für die Zunahme der Velonutzer ist.