Niemand kann heute noch bestreiten, dass Haushaltsarbeit aufwendig ist. Margrit Stamm, Erziehungswissenschaftlerin, stellt in ihrem neuen Buch fest, dass trotz aller Gleichberechtigung Waschen, Putzen und Kochen in Mütterhand geblieben ist. Das führt dazu, dass Mütter allzu oft das Gefühl haben, sie leisteten zu Hause mehr als ihr Mann – was oft ja auch stimmt. Das kann eine Beziehung schwer belasten. Stamm verleiht dem Missverhältnis einen positiven Dreh, indem sie auf die versteckten Qualitäten der Väter verweist: Jene des Ernährers, des Spezialisten für Versicherungen und Steuern oder des Velomechs. Diese Dienste tragen zu mehr Sicherheit und einem stabilen Fundament in der Familie bei. Deren Anerkennung kann Müttern helfen, sich weniger benachteiligt zu fühlen. Nur verharrt die Beziehung so in alt-bekannten Stereotypen.

Frauen, die sich aus der Ungleichheit befreien wollen, sollten von Männern lernen – und einen Gang zurückschalten. Denn den perfekten Haushalt gibt es nicht. Das Mittagsmenu muss keinem ausgeklügelten Rezept entspringen, Nüdeli mit Tomatensauce tun es auch. Und wenn die Nüdeli nach dem Essen um den Teller verteilt sind, kann man sie getrost einen Moment liegen lassen. Sie laufen nicht weg. Das Wäschewaschen und Aufräumen auf den Abend verschieben, wenn der Partner nach Hause kommt, und dann die Ämtli aufteilen.

Vielleicht klappt dieser Trick bei Paaren besser, wenn beide arbeiten. Vielleicht klappt er nicht jeden Tag. Doch etwas mehr Gelassenheit im Familienalltag wirkt befreiend.

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