Eine Stunde Zugfahrt macht viele Raucher nervös. Einmal von Zürich nach Bern bedeutet 56 Minuten ohne Zigarette. Sobald der Zugführer die Komposition abgebremst hat, hetzen sie aus dem Waggon, kramen auf dem Perron ein Feuerzeug aus der Jackentasche und zünden sich eine an. Nach zehn Sekunden erreicht das Nikotin das Gehirn.

Zeitgleich verbreiten sich auf dem Perron die Rauchschwaden. Es ist eine Minderheit der Passagiere, die in den Bahnhofshallen rauchen. Einatmen müssen den ungesunden Qualm alle. Kinder, Jugendliche, Alte, Schwangere, Gesunde und Kranke. Für Nichtraucher jedes Mal aufs Neue ein unangenehmes Erlebnis. Vielleicht bald das letzte Mal.

Die SBB haben Anfang Februar ein Pilotprojekt gestartet: Neu ist das Rauchen an den Bahnhöfen Zürich Stadelhofen, Bellinzona, Chur, Neuenburg, Basel und Nyon VD untersagt. Eine sinnvolle Initiative. Während das Parlament aus Angst um die Steuermillionen der Tabakkonzerne jede Präventionsbemühung des Bundesrates im Keim erstickt, setzen die Bundesbahnen ein Zeichen und sparen nebenbei Millionen an Reinigungskosten.

SBB-CEO Andreas Meyer sollte die «erweiterten rauchfreien Zonen» nach der Testphase permanent einführen. Wie schon nach der Abschaffung der Raucherwaggons 2005 wird sich in wenigen Jahren niemand mehr daran erinnern, wie es war, als man an den Bahnhöfen noch rauchen durfte.