Den Krach hört nie der, der den Krach macht – so lautet ein alter Sinnspruch. In der Schweiz sind über 1,3 Millionen Menschen einer übermässigen Geräuschkulisse ausgesetzt. Um Lärmgeplagte zu schützen, hat sich die Politik einiges einfallen lassen.

Temporeduktionen wurden angeordnet, Schutzwände aufgezogen und Flüsterbeläge verbaut. Doch vielerorts waren die Bemühungen zu wenig entschlossen, während anderswo der zunehmende Verkehr alle Erfolge wieder zunichtemachte.

Das Paradox: Der Krach wird zwar als störend, aber nicht als gefährlich angesehen. Obwohl dauerhafter Lärm eine der häufigsten Risikofaktoren für Herzinfarkte und Schlaganfalle ist. Kein Umweltgift sei aufgrund persönlicher Interessen so sehr akzeptiert, warnte denn auch das deutsche Umweltbundesamt schon vor Jahren.

Die Ruhestörung, sie ist fast rituell: Wir klagen, dass es immer lauter wird. Gleichzeitig tun wir selbst wenig dagegen, dass eben genau das passiert. Der Lärm ist meist der Lärm der anderen. Kaum jemand dürfte sein Auto stehen lassen, nur weil es zu viel Krach verursacht. Erst recht nicht, da das Grundrauschen im gut gedämmten Cockpit ja ganz erträglich ist.

Freiwillige Begrenzung? Nein danke. Es fehlt ein allgemeines Bewusstsein für den unerwünschten Schall. Dabei braucht es wenig, um ein solches zu entwickeln. Kleine Schritte können eine grosse Wirkung entfalten.

So würde es bereits helfen, wenn Konsumenten beim Autokauf darüber Bescheid wüssten, dass sich der Lärm ihres Gefährts dank leiser Reifen markant reduzieren lässt. Und zwar direkt an der Quelle.

sven.altermatt@azmedien.ch