Neulich unten im Restaurant im Bundeshaus. Oben in Ratssälen und Wandelhalle wird gerade die Familienpolitik der Wertepartei CVP und deren Fleischwerdung in der Person Buttet diskutiert. Schwebt die Serviceangestellte suchend von Stehtisch zu Stehtisch mit Fleischplatte und Frage: «Familie Röschti?» An einem der Tische im brotlosen Apéro ein BDP-Trio – Hans Grunder, Lorenz Hess und Duri Campell. Man fühlt sich angesprochen von kalter Platte in erster und Röschti-Frage in zweiter Linie.

Die kalte Platte schwirrt leider vorbei. «Dert äne isch der Röschti», hatte einer gerufen und auf den Nebentisch gezeigt, obwohl dort wohl einige Herrschaften, aber kein Rösti auszumachen ist. Die herrenlose kalte Platte wird parkiert, auf dass Albert Rösti, mutmasslicher Inhaber, ihr die Aufwartung mache.

Inzwischen wird gerätselt: Familie Röschti, was oder wer ist das überhaupt? Die SVP? Grunder sinniert, dass auch Albert Rösti beim Schisma einst fast der BDP beigetreten wäre. Die Hoffnung war gross, und Röstis ehemalige Chefin, die Berner SVP-Regierungsrätin Elisabeth Zölch, war überzeugt davon.Aber sie irrte (und ist dennoch BDP-Mitglied geblieben). Und jetzt ist Rösti Präsident der SVP und die kalte Platte am anderen Tisch.

Da taucht der Rösti Albert wieder auf, eilt zielbewusst durch das Restaurant auf Stehtisch und Fleischplatte zu. Ein Rösti zwar, aber ohne Familie. Staunen, Raunen im Saal. Wo ist Frau Rösti geblieben, die er eben noch bei sich hatte? Fragt Hans Grunder, Glas in der Hand, ungläubig an den Nebentisch: «Hast Du Deine Frau jetzt einfach abgeschoben?» Albert Rösti greift beherzt in die kalte Platte und sagt freudig mit halb vollem Mund: «Jemand muss ja arbeiten, während ich hier politisiere.»

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