Das Angebot ist gut, die Preise durchschnittlich. Das ist das Fazit einer Studie der öV-Branche, in der ein Vergleich mit europäischen Ländern gemacht wurde. Dies entspricht nur der halben Wahrheit. Einige der in der Studie ausgewiesenen und im europäischen Umfeld vergleichsweise tiefen Schweizer Preise kommen nur dank Sparbilletten und Spartageskarten zustande. Diese sind zeitlich und mengenmässig kontingentiert und deshalb nicht für alle erhältlich. Entsprechend höher sind die Preise, wenn man kein solches Ticket kauft.

Zuletzt wurden an einem einzigen Tag 18'000 Sparbillette gekauft. Dies zeigt klar: Einzelfahrten sind viel zu teuer. Das hat die Branche reichlich spät erkannt. Konzentriert hat man sich in der Vergangenheit vor allem auf Abos. Wer kein GA und kein Halbtax hat, zahlt aber zu viel für ein Ticket. So viel, dass der Individualverkehr attraktiver ist. Wollen SBB und Co. dem etwas entgegensetzen, geht es nur mit tieferen Preisen. An der Qualität kann kaum mehr zielbringend geschraubt werden.

Gefordert ist die Branche beim angekündigten Angebot für Senioren. Dieses muss den Effekt verstärken, den die Spartickets mit sich bringen: Die Gäste werden besser auf den Tag verteilt. Zeitliche Flexibilität sollte gefördert und entsprechend belohnt werden. Falsch wäre es aber, diejenigen zu bestrafen, welche den Zeitpunkt ihrer Reise nicht flexibel wählen können, etwa Berufspendler. Dort müssen die Preise stabil bleiben, damit der öV attraktiv bleibt.

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