Die herzliche Atmosphäre am Freitag zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In hat sämtliche Erwartungen übertroffen. Zum ersten Mal betrat ein nordkoreanischer Machthaber südkoreanischen Boden. Hand in Hand überschritten sie gleich mehrfach die Betonstufe, die die Demarkationslinie markieren soll. Sie trennt die koreanische Halbinsel seit 65 Jahren in zwei verfeindete Hälften. Seit dem Gipfel am Freitag ist der Grenzort Panmunjom jedoch nicht mehr länger ein Symbol der Trennung, sondern des Friedens. Das ist ein grosser Erfolg.

Natürlich ist trotz aller Freundlichkeiten weiterhin Skepsis geboten. Schon die ersten beiden innerkoreanischen Gipfel 2000 und 2007 weckten Hoffnungen. Auch damals vereinbarten die verfeindeten Staaten einen Friedensprozess, der nach anfänglicher Euphorie aber beide Male rasch beendet war. Dieses Mal könnte es aber anders ablaufen. Das ist zum einen dem sozialliberalen Moon zu verdanken, der, nicht einmal ein Jahr im Amt, mit seiner Entspannungspolitik mehr erreicht hat als jemals einer seiner Vorgänger. Hinzu kommt aber auch, dass Kim Jong Un, anders als sein Vater, aus einer Position der Stärke in die Verhandlungen treten kann. Auch wenn das der Rest der Welt nicht gerne hören mag – aber mit dem konsequenten Ausbau seines Atom- und Raketenprogramms hat es der junge Kim geschafft, selbst mit den USA auf Augenhöhe zu verhandeln. Er muss nicht ständig befürchten, über den Tisch gezogen oder gar von einem CIA-Agenten erschossen zu werden. Der Preis für die USA wäre zu hoch. 

US-Präsident Donald Trump ist beim Treffen Ende Mai daher gut beraten, nach einer ideologiefreien Lösung zu suchen , die es dem nordkoreanischen Regime ermöglicht, in die Weltgemeinschaft zurückzukehren. Moon hat vorgemacht, wie das geht.