Vielleicht sagte es der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy am besten: «Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.» Das denken offenbar nicht alle. Die Gemeinde Kerns OW setzte zuletzt einen Preis auf die Bildung. Weil die Eltern Sozialhilfe beziehen, wurde der Tochter verboten, ans Gymnasium zu gehen. Stattdessen pochte die Gemeinde auf eine Lehre, weil die Ausbildung schnellstmöglich Geld bringen sollte. Kerns brach damit ein ungeschriebenes Gesetz des Schweizer Bildungssystems: Jeder Jugendliche hat das Recht, eine Erstausbildung abzuschliessen, die seinen Fähigkeiten entspricht. Die Gemeinde drohte dem Mädchen sogar, der Familie die Gelder zu kürzen, sollte es sich widersetzen.

Kerns hat den Irrtum korrigiert. Zwar erst auf Druck eines Anwalts, aber immerhin. Natürlich gibt es viele Jugendliche, die in einer Berufslehre besser aufgehoben wären als am Gymnasium. Laut den Lehrern aus Kerns ist das beim Mädchen allerdings nicht der Fall. Anstatt ihr die Mittelschule zu verbieten, sollte man privilegierte, überambitionierte Eltern hinterfragen, die ihren Nachwuchs mit aller Macht am Gymnasium sehen wollen. Die Leistung muss entscheiden, nicht der soziale Status.

Es kann nicht sein, dass Kinder dafür bestraft werden, dass ihre Eltern Sozialhilfe empfangen. Es kann nicht sein, dass Kindern eine Erstausbildung versagt wird, weil das Geld fehlt. Schliesslich sorgt eine gute Bildung für einen erfolgreichen Übergang in die Arbeitswelt und ist damit Ausgangspunkt, um aus der Sozialhilfe auszubrechen.

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