Unlängst beschwerte sich ein Autor im «Tages-Anzeiger» darüber, dass in seinem Quartier Sprachen gesprochen werden, die er nicht verstehe. Er schrieb darum direkt an die «Sehr geehrte Frau Bundesrätin Sommaruga!» und prangerte die Einwanderung aus ihm fremden Kulturen an. Gezeigt wurde dazu ein Bild von Schwamendingen. Allerdings distanzierte sich der «Tages-Anzeiger» sogleich wieder vom eigenen Artikel. Verwirrend.

Gelegenheit, der Sache auf den Grund zu gehen, ergab sich dieses Wochenende an der Schwamendinger Chilbi. Und siehe da: Schon vom Tramfenster aus sah man Menschentrauben, die so vielfältig waren, dass man sie problemlos auf Plakate der Modekette «United Colors of Benetton» drucken könnte. Einzelne Damen trugen sogar Kopftuch. Als sich die Tramtüre öffnete, zeigte sich: Die Menschen standen nicht etwa beim Halal-Döner, sondern beim Harassen-Stapeln an und statt Tigrinya dominierte Zürischnure, was für empfindliche Ohren durchaus verstörend klingt. Weiter hinten, wo es nach den Apfelküchlein der Damenriege roch, waren dann Ansätze von Parallelgesellschaften erkennbar. Parteien von SVP über GLP bis SP verschanzten sich in eigenen Zelten. Die Abgrenzung lief über das Essen. Chnoblibrot bei der CVP, Raclette bei der FDP. Vor dem SVP-Zelt konnte man beobachten, dass sich viele beim Griechen vis-à-vis verpflegten. Das kann einem schon spanisch vorkommen.