Die Debatte um Fälle von sexuellem Missbrauch hat die katholische Kirche fest im Griff. In der Schweiz spaltet sie auch deren Führung. Der Churer Weihbischof Marian Eleganti sagt, es gebe einen Zusammenhang zwischen homosexuellen Neigungen von Priestern und sexuellen Übergriffen. Die Kirchenfürsten von Basel und St. Gallen halten dagegen, ursächlich für die Straftaten sei die Macht der Priester.

Nun legt Eleganti nach: Wer homosexuelle Neigungen habe, dürfe gar nicht erst als Priester geweiht werden, fordert er. Klar ist schon jetzt, dass der Weihbischof damit einen Sturm der Entrüstung ernten wird. In der Tat kann man sich fragen, ob die Missbrauchs-Debatte taugt, um einen kirchlichen Disput um die rechte Sexualität zu führen. Den Opfern jedenfalls ist damit nicht geholfen. Andererseits tut Eleganti nichts Verbotenes. Seine Forderung ist bereits heute Kirchendoktrin, gestützt auch von Papst Franziskus. Gewiss, Schwule aus dem Kirchendienst auszuschliessen, ist eine Diskriminierung. Doch die Kirche ist keine staatliche Stelle, die sich um Gleichbehandlung zu bemühen hat. Sie hat immer schon Menschen diskriminiert. Eine Religionsgemeinschaft darf, was ein Staat nie dürfte.

Die katholische Kirche hat einen verknorzten Zugang zur Sexualität, der nicht in unsere westliche Welt passt. Man muss das nicht mögen. Aber man muss dieser Kirche auch nicht angehören. Und man muss nicht Priester werden. Marian Eleganti kann also fordern, was er will. Ob seine arge Verkürzung der Missbrauchs-Debatte der Kirche hilft, die Herzen der Menschen zu gewinnen, das steht auf einem anderen Blatt.