Juristische Druckmittel gegen Organe von Unternehmen scheinen en vogue zu sein. Post-Präsident Urs Schwaller sagte gestern im Interview dieser Zeitung, dass er Abklärungen am Laufen habe, um Geschäftsleitungsmitglieder und Verwaltungsräte zur Verantwortung zu ziehen. Über Jahre verlangte die Post-Tochter viel zu viel Geld für ihre Transportdienstleistungen. Rund 200 Millionen Franken musste der gelbe Riese schon an die Kantone zurückzahlen.

Noch grösser ist das finanzielle Loch bei den Raiffeisen-Banken. Der frühere Chef Pierin Vincenz kaufte viele Firmen ein, die später zum Teil massiv an Wert einbüssten. Bis zu 300 Millionen Franken müsse die Bank deshalb abschreiben, gab neue Präsident Guy Lachappelle vor wenigen Tagen bekannt.

Deshalb wollen Lachappelle und Schwaller bei fehlbaren Managern und Verwaltungsräten nun «Regress» nehmen. Raiffeisen und die Post mögen die besten juristischen Argumente auf ihrer Seite haben. Doch die Erfolgsaussichten in einem Prozess sind dennoch ungewiss, zumal die fraglichen Organe – etwa Susanne Ruoff oder Pascal Koradi aufseiten der Post und Pierin Vincenz oder Patrik Gisel bei Raiffeisen – nicht annähernd über die entsprechenden Mittel verfügen. Wenn, dann müssten Versicherungen oder die Buchprüfer zur Kasse gebeten werden. Sie sind es, die über das nötige Geld verfügen. Klagedrohungen sind deshalb als das zu nehmen, was sie sind: Drohungen. Sie sollen die Versicherungen oder Buchprüfer an den Verhandlungstisch bringen und der aufgewühlten Volksseele signalisieren, dass man den Laden ausmisten will.

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