Guy Parmelin, einst Bauer, hat bald sein zweites Lehrjahr als Bundesrat hinter sich. Müsste man ihm ein Zeugnis schreiben, so wäre sein etwas eigenwilliger Umgang mit den Zahlen hervorzuheben. Oder vielleicht besser, sein Nicht-Umgang. Nicht zum ersten Mal, auch nicht zum zweiten und wohl auch nicht zum letzten Mal wurde er letzte Woche vom Bundesrat auf die Zusatzrunde geschickt. Diesmal mit seiner Vorlage zur Unterstützung des Bundes für das Olympia-Projekt Sion 2026.

Eine knappe Mehrheit des Bundesrats ist zwar bereit, die Sache zu unterstützen, aber doch nicht zu jedem Preis. Die Milchbüechlirechnung, die Parmelin vorlegte, war den Kolleginnen und Kollegen auch diesmal wieder etwas zu hoch, und der Waadtländer vermochte einige Nachfragen des gestrengen Gremiums nicht zu beantworten.

So wird jetzt nachexerziert, wie man im Militär zu sagen pflegt. Wie zuletzt schon bei der Vorlage für die neue Luftverteidigung, auch da vermochten die Regierungskollegen dem Armeeminister und seinen neun luftigen Milliarden nicht auf Anhieb zu folgen, sowohl im übertragen wie auch im wörtlichen Sinn. Demnächst wird Parmelin mit nachgebesserter Vorlage einen neuen Anlauf nehmen. Und alle wissen, früher oder später kommt es gut.

Halbgar in die Sitzung und dann mit fertig gekocht wieder raus. Einige reden schon vom System Parmelin. Manche meinen, die Sorglosigkeit des Waadtländers rühre von seinem Vorleben als Bauer her. Sie beruhe auf elementaren Einsichten des Ackermanns: Den Milchpreis, den legen die anderen fest. Gibt die Kuh Milch, gibt’s Geld. Wenn nicht, auch. Auf Väterchen Staat ist zu guter Letzt Verlass. Und zu guter Letzt ist immer.