Es ist nur ein kleiner Schritt auf dem Weg zur Lohngleichheit zwischen Mann und Frau. Trotzdem wird Bundesrätin Simonetta Sommaruga eine politische Meisterleistung attestiert. Denn heute wird der Ständerat voraussichtlich dem Vorschlag des Bundesrats zustimmen, der von Unternehmen Lohnanalysen einfordert. Mit Verlaub: Wenn trotz Schneckentempo von einer Glanzleistung gesprochen wird, wähnt man sich im Ballenberg-Zeitalter.

Dass Frauen 2018 bei gleicher Arbeit und gleicher Ausbildung immer noch weniger verdienen als Männer, ist Folklore aus der untersten Schublade. Daran werden auch die Lohnanalysen nur geringfügig etwas ändern – leider. Denn noch immer werden die Anliegen der Frauen bagatellisiert. So gibt es tatsächlich führende Polit-Köpfe, die glauben, zur Einhaltung der Lohngleichheit reiche allein die Selbstdeklaration. Natürlich ohne Kontrolle und ohne Busse. Nur: Haben Sie schon mal jemanden gesehen, der sich selbst anzeigt, weil er im Parkverbot parkte und dabei straffrei davongekommen ist? Selbstdeklaration funktioniert nur, wenn für den Schuldigen ein Deal rausspringt. Siehe Steuersünder in Deutschland.

Doris Leuthard findet es peinlich, dass sich das Parlament mit der Förderung der Gleichstellung so schwertut. Bedenklich ist ausserdem, dass der Arbeitgeberverband das Thema auf die ideologische Schiene lenkt und damit Mitte- und Rechts-Politikerinnen, die für die Anliegen der Frauen kämpfen, in die linke Ecke drängt. Hausfrauen-Ecke, Objekt-Ecke, Assistentin-Ecke – lassen wir die Frauen endlich aus der Ecke.