Die SPD hat in den Koalitionsverhandlungen mit der Union aus CDU und CSU eigentlich ganz gut verhandelt – sechs Ministerien für die auf 20,5 Prozent zusammengeschrumpfte Partei, davon die drei einflussreichen Mega-Ministerien Finanzen, Äusseres sowie Arbeit und Soziales. Die Regierungsvereinbarung trägt in Teilen zudem durchaus eine sozialdemokratische Handschrift.

Doch was machen die Genossen? Sie verstricken sich in Personaldebatten. Im Fokus des Unmuts der Partei-Basis: Der noch vor einem Jahr als Messias gefeierte Parteichef Martin Schulz. Der Mann hat mehrmals sein Wort gebrochen und damit die Genossen erzürnt. Zuletzt wollte er seinen einstigen Parteifreund und Vorgänger an der SPD-Spitze Sigmar Gabriel unsanft aus dem Weg räumen, um selbst Aussenminister zu werden. Dabei hatte Schulz noch vor nicht allzu langer Zeit beteuert, niemals in ein Kabinett Merkel eintreten zu wollen.

Die Personalie Schulz hat die wichtige Auseinandersetzung mit dem 177-seitigen Koalitionsvertrag überlagert. Dabei sollte es jetzt um Inhalte gehen. Innerhalb der nächsten drei Wochen müssen die 460'000 SPD-Mitglieder brieflich darüber befinden, ob ihre Partei in diese Regierung eintreten soll oder nicht. Das Votum der Genossen ist von höchster Bedeutung. Sagt die Basis Nein, steht Deutschland vor riskanten Neuwahlen.

Schulz’ erklärter Verzicht auf einen Ministerposten ist unausweichlich. Er kommt bloss mindestens zwei Tage zu spät. Der Parteichef hätte beweisen können, dass es ihm wirklich nur um die Sache und nicht um eigene Ambitionen geht, wenn er von Anfang an sein Wort gehalten und klare Verhältnisse geschaffen hätte.

Martin Schulz hat mit seinem Verhalten der Politik insgesamt einen Bärendienst erwiesen. Schulz’ Schlingerkurs hat das ohnehin angeschlagene Vertrauen der Bevölkerung in die Politik nicht eben gestärkt, der Griff nach einem Ministeramt all jene in ihrem Glauben bestärkt, Politiker sorgten sich ohnehin in erster Linie um sich selbst. Es ist nun höchste Zeit, über Inhalte, statt über Personen zu diskutieren.