Nein, ein Migros-Kind war ich nie. Meine Mutter kaufte mal da, mal dort ein. Aber: Ich bin eine Migros-Frau geworden. Mein Gefühl sagt mir, hier bekommst Du mehr fürs Geld, und erst noch Gutes aus der Region. Die Migros, sie ist für mich eines der glaubwürdigsten Unternehmen dieses Landes. Laut eigenen Aussagen auch eines der nachhaltigsten: Für das Engagement im Bereich Umweltschutz habe die Migros zahlreiche Auszeichnungen und Awards erhalten.

Mein Bild der heilen Konsumwelt hat vor wenigen Tagen allerdings einen gewaltigen Knacks bekommen, vor dem Getränkeregal meiner Lieblings-Migros in Basel. Ich starrte fassungslos auf die Fläschchen vor mir. Mineralwasser aus Norwegen, aus dem Dorf Vatnestrøm. Weiss der Geier, wo das ist. Bis anhin war das Wässerli nur in schickeren Warenhäusern erhältlich gewesen. Für Hipster und Menschen, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld (80 cl kosten rund drei Franken).

Was, bitte schön, hat das mit Umweltschutz zu tun, wenn vom hohen Norden her Wasser herangekarrt wird, obwohl jenes im Bergland Schweiz eines der besten weltweit ist? Gewiss ist es ratsam, als Detailhändler ein möglichst breites und tiefes Sortiment vorweisen zu können. Bei gewissen Produkten scheint mir das auch gerechtfertigt. Aber beim Wasser gibt es Grenzen. Wasser aus Norwegen in der Migros, das schmeckt mir nicht. Pfui!