Timea Bacsinszky und Martina Hingis müssen nun versuchen, zu retten, was zu retten ist. Das Traum-Mixed Federer/Hingis – weg. Das Traum-Doppel Federer/Wawrinka – weg. Die starken Einzelcracks Federer, Bencic und Wawrinka – alle weg. Ein Tennis-Medaillengewinn käme unter den gegebenen Umständen schon fast einem Wunder gleich. Statt mit vier Anwärtern auf Edelmetall ins Rennen zu gehen, darf sich die Schweizer Tennis-Delegation vermutlich nur noch maximal Aussenseiterchancen im Doppel ausrechnen. Das ist schade und sorgt dafür, dass die Luft punkto Medaillen langsam schon ein wenig dünn wird – und das, bevor die Spiele überhaupt begonnen haben.

Fehlt die Motivation?

Klar: Wawrinkas sehr später Olympia-Rückzug hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. Das Arztzeugnis gibt ihm letztlich recht. Doch jeder Turnier-Organisator rümpft die Nase, wenn eines seiner Zugpferde im letzten Moment verletzungsbedingt absagt. Besonders dann, wenn der betreffende Spieler kurz vorher noch recht gut auf dem Platz unterwegs gewesen war.

Wawrinka war vor etwas mehr als einer Woche in Toronto schon auf Finalkurs, ehe er im Halbfinal gegen Kei Nishikori nach einer 5:2-Führung im ersten Satz einbrach und nur noch zwei der zwölf folgenden Games gewann. Dieser Einbruch könnte immerhin ein Hinweis darauf sein, dass sich Wawrinka tatsächlich mit einer Verletzung herumplagte.

Auf der anderen Seite wäre es auch nicht erstaunlich, wenn der bisweilen launische Romand schlicht nicht motiviert war, um in Rio ans Limit zu gehen. Immerhin weckt er mit seinem Rückzug keine falschen Hoffnungen. Auch das ist irgendwie konsequent.