Entscheidungen sind anstrengend. Ich weiss nie, was ich im Restaurant bestellen soll, im Kleiderschrank finde ich unter vielen keinen passenden Pulli, vor dem Kühlregal überfordert mich die Auswahl. Ich grüble, wäge ab, vergleiche. So weit, so durchschnittlich – nicht wirklich schlimm, nur manchmal nervig. Ganz anders handle ich, geht es um Flirts. Hier entscheide ich mich immer schnell – und oft falsch: Weil ich Ja sage und Nein meine. Weil ich mich entscheide, wie ich es für angebracht halte. Und nicht dafür, was ich tatsächlich will.

Ich gab Typen meine Handynummer, weil sie danach fragten. Ich ging mit Männern essen, obwohl sie mich nicht interessierten. Ich sprach mit Fremden auf der Strasse, an der Bar, im Bus oder wenn ich im Sommer allein an der Aare lag, obwohl ich lieber meine Ruhe gehabt hätte. Ich antwortete auf viele Fragen, obwohl ich das nicht wollte.

Lass es bleiben, schick ihn weg, wozu das Ganze, es ist Zeitverschwendung: Die richtige Entscheidung wäre jeweils gewesen, auf all das nicht einzugehen, wenn mir nicht danach war. Doch ich fällte sie nicht.

Der Druck, freundlich sein zu müssen, ist umso grösser, wenn man jemandem gegenübersteht. Wenn ich Ja sagte und Nein meinte, dann darum, weil ich nicht unhöflich sein wollte. Im Wissen, dass ich nie mit diesem Mann ausgehen werde, gab ich ihm dennoch meine Nummer. Ich war überzeugt, dass ich Männer enttäusche, würde ich mich nicht von ihnen zum Essen einladen lassen. Wie wichtig ich mich doch nahm!

Bezahlt habe ich jeweils mit dem unguten Gefühl, nicht genügend für meine Bedürfnisse eingestanden zu sein. Getröstet habe ich mich damit, dass ich immerhin freundlich war. Und ich verschob es einfach auf später, dem Mann mein Desinteresse mitzuteilen. Nicht gerade fair.

Nein, dieser Text richtet sich nicht an aufdringliche Männer – aufdringlich sind sie dann, wenn sie ein Nein nicht akzeptieren. Ich spreche hier nicht von Stalking oder Belästigung, sondern von Versuchen der Annäherung, wie sie vorkommen – und nette Begegnungen sein können. In meinen Augen darf ein Mann einfach so nach meiner Nummer fragen oder mich zum Essen einladen wollen. In das darauffolgende Dilemma manövrierte ich mich von allein – nämlich dann, wenn ich nicht klar kommunizierte, wie ich das finde.

Ich glaubte, möglichst schnell eine Entscheidung fällen zu müssen, den anderen durch mein Zögern nicht in Verlegenheit bringen zu dürfen. Ein Recht auf ein Nein gestand ich mir nicht zu. Stattdessen entschied ich mich zugunsten des kurzfristigen Wohlbefindens meines Gegenübers. Weil ich die Konsequenzen fürchtete: ein wütender Mann, die Blicke anderer oder dass man mich als unhöflich abstempeln könnte.


Heute bin ich älter, erfahrener, die Meinung anderer ist mir weniger wichtig. Auch die Meinung anderer Männer: Ich lasse mich nicht mehr auf Gespräche ein, die mich nicht interessieren. Ich weiss, dass es nicht unhöflich ist, jemanden freundlich darauf hinzuweisen, dass man lieber seine Ruhe hätte.

Ich merkte schnell, dass mein Nein für den Mann nicht den Weltuntergang bedeutet. Enttäuscht sind sie ab und an schon, vermutlich findet mich der eine oder andere jetzt auch nicht mehr nett. Ich komme klar damit. Aggressionen als Antwort hingegen sind untolerierbar. Ein Nein heisst es zu akzeptieren. Immer, ausnahmslos. Dass Männer mein Nein nicht akzeptierten, erlebte ich auch.

Ich erhielt schon mehrmals ein Nein als Antwort auf die Frage, ob man nicht mal etwas zusammen essen gehen wolle. Es zu hören, kratzte am Ego. Doch die Liebe ist ein Spiel auf Risiko, Zurückweisung gehört dazu. Nein meinen, Nein sagen: ganz einfach, eigentlich.