Lustig ist das Zigeunerleben!», sangen wir in der Schule. Wer die Fahrenden in diesem Land sind, was sie denken und empfinden, darüber lernten wir nichts. Später erfuhren wir vom Hilfswerk «Kinder der Landstrasse», vom Leid, welches Hunderten von fahrenden Familien in der Schweiz zugefügt wurde. Die Betroffenheit, die diese Schicksale ausgelöst haben, hat sich verflüchtigt.

Im Jahr 2003 gab es ein Bundesgerichtsurteil, in welchem festgehalten wird, die besonderen Bedürfnissen der Fahrenden seien in der Raumplanung zu berücksichtigen. Geht es aber konkret darum, den Fahrenden Standplätze zur Verfügung zu stellen, spricht sich die Bevölkerung an der Urne regelmässig dagegen aus. Zuletzt wurde im sankt-gallischen Gossau ein Durchgangsplatz für Jenische vom Stimmvolk abgelehnt.

Jetzt haben die Fahrenden genug. Sie wollen gegen den Kanton St. Gallen Klage einreichen. «Wenn das Volk die Plätze nicht will, kann man nichts machen», sagte der Leiter des kantonalen Raumplanungsamtes dazu. Was ist das für ein Volk, das die rund 3000 Fahrenden in der Schweiz nicht als Teil dieses Volkes verstehen will?