Martin Schulz hatte alles richtig gemacht. Die letzten Tränen im Willy-Brandt-Haus nach dem Wahlausgang vom 24. September waren noch nicht trocken, da verkündete er: Seine SPD stehe für eine Neuauflage der Grossen Koalition nicht zur Verfügung. Diese sei schliesslich gerade überdeutlich abgewählt worden.

Schulz hielt diese Erzählung während der Sondierungsgespräche von CDU, CSU, FDP und Grünen aufrecht, seine Partei folgte ihm. Aus gutem Grund: Die Sozialdemokraten haben eine Phase der Konsolidierung bitter nötig. Sie müssen sich neu aufstellen, inhaltlich und personell. Das geht nirgends besser als in der Opposition. Das Verständnis landauf, landab war gross — die GroKo kein Thema mehr.

Seit der Nacht zum Montag, als FDP-Chef Christian Lindner die Jamaika-Sondierung für gescheitert erklärte, kann sich die SPD aber nicht mehr verweigern. Warum? Weil die FDP ihre Pflicht erfüllt hat. Sie ist in Gespräche mit drei Parteien gegangen, deren Vorstellungen für das Wohl des Landes mit den eigenen teilweise überhaupt nichts zu tun haben. Die Liberalen haben Grenzen gezogen, um ihre Identität zu wahren. Als diese überschritten wurden, hat Lindner die Reissleine gezogen.

Der SPD würde ihrerseits nun gut anstehen, aus der Schmollecke zu treten und wenigstens zu versuchen, ihren Anteil an der Chaos-Beseitigung zu leisten. Das wäre der notwendige nächste Schritt. Wenn das dann auch nichts wird, muss Merkel eben allein regieren – oder die Deutschen nochmals an die Urne. Neuwahlen sollten letztes Mittel bleiben.

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FDP bricht Jamaika-Gespräche ab – das sagt Parteichef Lindner

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"Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren", sagt FDP-Chef Christian Lindner zum Ausstieg seiner Partei aus den Jamaika-Sondierungen. Seine ganze Rede vom Sonntagabend.