Noch am Dienstag wirkte Post-Chefin Susanne Ruoff souverän. Sie entschuldigte sich für die Buchhaltungstricks und versprach, die 78 Millionen Franken an zu viel einkassierten Subventionen Bund und Kantonen zurückzubezahlen. Sie kündigte Massnahmen an und zog erste personelle Konsequenzen. Post-auto-Chef Daniel Landolf wurde sofort in Pension geschickt und der Postauto-Finanzchef seiner «operativen Verantwortung» enthoben. Ruoff signalisierte damit: Das ist eine Postauto-Affäre.

Mittlerweile hat sich aber der Eindruck verfestigt: Das ist ein Fall Post. Eine vertrauliche Aktennotiz aus dem Jahr 2013 deutet darauf hin, dass die Konzernspitze von den gesetzeswidrigen «Kostenumbuchungen» wusste. Ist dies der Fall, hat Ruoff ein Glaubwürdigkeitsproblem. Weshalb die interne Revision die Konzernchefs zudem nicht zum Handeln aufgefordert hat, ist eines von vielen Fragezeichen. Schliesslich geht es um einen Betrug an den Steuerzahlern. Es zeugt von einem seltsamen Selbstverständnis des Bundesunternehmens, wenn der Gewinn der Postautosparte näher liegt als das Einhalten der Gesetze. Im subventionierten Personenverkehr dürfen nämlich keine Gewinne erwirtschaftet werden. 

Das Bundesamt für Verkehr hat 3,5 Stellen zur Verfügung für die Revision der subventionierten Transportunternehmen. Dass dieses kleine Team die Tricksereien aufgedeckt hat, ist eine beruhigende Nachricht. Die Kontrollmechanismen bei der Post versagten hingegen komplett. Das ist nicht nur ein Problem der Sparte Postauto – sondern des Konzerns und damit von Susanne Ruoff.