Gemessen an der Bevölkerungszahl hat Schweden seit 2015 mehr Asylbewerber aufgenommen als jedes andere Land in Europa. Die Probleme, die damit einhergehen, wurden von den regierenden Sozialdemokraten erst dann widerwillig benannt, als die rechtsnationalen Schwedendemokraten das Thema längst besetzt hatten. Die eiligen Versuche, kurz vor der Wahl doch noch Härte zu demonstrieren, überzeugten nicht. Jetzt rückt Schweden nach rechts. Dass ausgerechnet das linksliberale Musterland diesen Wandel vollzieht, kann im Rest Europas nicht ungehört bleiben.

Freilich hat jedes Land seine eigenen Gründe, warum sich die politische Landschaft so dramatisch verändert. Den entscheidenden Punkt haben sie jedoch allesamt gemein: die Planlosigkeit der Regierenden im Umgang mit der Migration. Der deutsche Innenminister Horst Seehofer nannte die Migrationsfrage jüngst die «Mutter aller politischen Probleme» im Land. Man kann Seehofer für vieles kritisieren. Aber dass er den Umgang mit Zuwanderung klar ins Zentrum der politischen Debatte stellt, ist richtig. Diese Frage wollen die Menschen beantwortet haben.

Statt Seehofers Einlassungen zum Anlass zu nehmen, vernünftige Regeln für Migration zu formulieren – etwa die strikte Trennung von Flucht und Einwanderung –, begnügt man sich jedoch vielerorts damit, mit der Rassismus-Keule auf den Politiker einzudreschen. Solange das so bleibt und die Mitte-Parteien sich nichts Besseres einfallen lassen, werden AfD, Schwedendemokraten, Lega und Co. nur stärker.