Selten genug kann man Erkenntnisse aus dem eigenen Beziehungsleben auf die Weltpolitik anwenden. Die Katalonienkrise bietet dazu Gelegenheit. Katalonien und Spanien benehmen sich wie ein Paar, das sich seit Jahren trennen will, aber sich nicht voneinander lösen kann. Und nervt damit das ganze Umfeld.

Katalonien und Spanien sind seit mindestens 300 Jahren zusammen. Es gab Höhen und vor allem Tiefen. Spanien benahm sich mehr als nur machistisch und verbot Katalonien eine Zeit lang sogar die eigene Sprache, Katalanisch. Katalonien benimmt sich mehr als  nachtragend und will nicht sehen, dass danach die Versöhnung kam. Katalonien hat nun genug und will sich ein für alle Mal von Spanien trennen. Doch Spanien will, dass Katalonien bleibt. Seine Scheidungsanwälte machen Katalonien gerade die Hölle heiss. Und wir müssen uns das ganze Theater mitansehen und mitanhören!

Das harmoniesüchtige Katalonien wagt die harte Trennung nicht, sondern will im Guten auseinandergehen. Es hat die endgültige Scheidung vorerst zugunsten von Gesprächen aufgeschoben. Als ob man sich nach dieser Vorgeschichte ohne Tränen trennen könnte. Spanien überhäuft Katalonien indes mit Vorwürfen. Die Region habe wie gefordert mehr Freiheiten bekommen und wolle nun trotzdem abhauen. Und wenn es denn zu einer Trennung kommen sollte, so seien vorher noch die gemeinsamen Schulden abzustottern. Als Zuschauer mag man nicht mehr hinsehen und reagiert, wie wenn sich befreundete Paare so aufführen: «Macht endlich Schluss oder reisst euch zusammen!»

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