Sieben Städte oder Regionen haben ihr Interesse an der Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2026 bekundet. Zu den möglichen Bewerbern gehören laut Internationalem Olympischen Komitee (IOC) zusammen mit «Sion 2026» die österreichische Stadt Graz mit dem Wintersport-Ort Schladming, Calgary in Kanada, die Region Cortina d’Ampezzo/Mailand/Turin, das japanische Sapporo, Stockholm und die osttürkische Stadt Erzurum.

Von weitreichendem Interesse ist, dass nach dem Willen des IOC Olympische Winterspiele wieder zurück in die traditionellen Wintersportregionen der Alpenländer gehören. Positive Signale, wonach nach dem Ausscheiden von Österreich-Tirol nebst der Stadt Graz mit dem Wintersportort Schladming vor allem die alpine Region «Switzerland-Sion» gute Chancen auf die Zuerkennung als Austragungsnation «Olympia Switzerland-Sion 2026» hat.

Beim IOC wurde der Wille bekundet, dem Gigantismus bei der Durchführung der Spiele Grenzen zu setzen. Die neuen Spielregeln des IOC schaffen eine völlig neue Ausgangslage für Olympische Winterspiele in der Schweiz. Das Sportparlament – oberstes Organ des Schweizer Sports, das sich aus den Mitgliedsverbänden von Swiss Olympic zusammensetzt –, hat am 11. April 2017 dem Projekt «Sion 2026» zugestimmt als offizielle Kandidatur für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026. Mit einbezogen sind Austragungsorte in den Kantonen Bern, Waadt, Freiburg und Obwalden. Eine Kandidatur «Switzerland-Wallis- Sion 2026» also!

Der Kanton Wallis bewirbt sich damit bereits zum vierten Mal. Die bisherigen Kandidaturen von 1976, 2002 und 2006 fanden beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) keine Zustimmung. Der Bundesrat unterstützt die Kandidatur «Sion 2026» und beantragt dem Parlament, die entsprechenden Kredite zu beschliessen. Der Beitrag des Bundes für «Sion 2026» soll – bei angemessener Beteiligung durch die Kantone – rund eine Milliarde Franken betragen. Das derzeit alles entscheidende Training auf dem elektoralen Bewerbungsglatteis ist der Pirouetten-Lauf des OK «Sion 2026» im Wallis. Ist die Runde am 10. Juni 2018 gewonnen, bleibt die anspruchsvolle «olympische Disziplin» im Tanz um das IOC Executive Board und die Gremien der IOC-Session im September 2019.

Aus Sicht der Landesregierung wären Olympische Winterspiele eine einmalige Chance für Sport, Tourismus, Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz. Mit der Kandidatur «Olympia Switzerland-Sion 2026» wird es nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Spiele geben: Kein Gigantismus, kaum neue Sportstätten, Einbezug bestehender Infrastrukturen in verschiedenen Kantonen. Eine Chance für die Wintersportnation Schweiz insgesamt. Mit unserer langen Tradition im Wintersport sind wir geradezu prädestiniert, diesen Grossanlass durchzuführen und Gastgeber der Weltsportelite zu sein.

Mit der vorhandenen Basisinfrastruktur verfügt das Wallis in seinen Weltkurorten, unter Einbezug weiterer vier kantonalen Austragungsorte, über ideale Voraussetzungen, die Winterspiele sozial, ökologisch, nachhaltig und wirtschaftlich vertretbar zu organisieren. Der Wintersport braucht weltweit zusätzliche Dynamik. Und die Schweiz könnte der Welt beweisen, dass ökologisch wie auch finanziell nachhaltige Olympische Winterspiele möglich sind. Die touristische Dachorga- nisation «Valais/Wallis Promotion» signalisierte an der gestrigen Generalversammlung in Le Châble-Verbier, dass «Olympia Switzerland-Sion 2026» eine einmalige Möglichkeit ist, die Schweiz und das Wallis im globalen Schaufenster zu positionieren: Eine Chance für das Ferienland Schweiz insgesamt, die es zu nutzen gilt.

Allerdings sind in jüngster Zeit nicht nur im Kanton Graubünden, sondern auch in Österreich und weiteren europäischen Ländern entsprechende Projekte am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Befürworter und Gegner im Wallis wie auch in der Schweiz liefern sich derzeit medienwirksam einen widersprüchlichen Argumentationswettkampf. Vermehrte Transparenz über Fragestellungen hinsichtlich Finanzierung, Sicherheit, Risiken sowie Defizitgarantie werden gefordert. Die Walliser Regierung wie auch die Führungsgremien der Kandidatur haben die Informationen geliefert: «Die Organisation ‹Sion 2026› wird an einen noch zu gründenden Verein oder eine Aktiengesellschaft delegiert werden, der oder die bei einem möglichen Defizit höchstens mit den bereits bereitgestellten Rücklagen und Garantien haften müsste».

Die entscheidende Weiche zugunsten Olympischer Winterspiele in der Schweiz und damit im Herzen von Europa werden die Walliserinnen und Walliser am 10. Juni 2018 stellen. Es geht dabei um den Entscheid über die finanzielle Beteiligung des Kantons in Höhe von maximal 100 Millionen Franken – 60 Millionen für die Infrastrukturen und 40 Millionen für die Sicherheit. Ohne diesen Urnen-Support des Walliser Souveräns bliebe für die Schweiz «Olympia Switzerland-Sion 2026» nur noch ein leerer Traum.