Das Inserat erschien vor ziemlich genau drei Jahrzehnten, in drei führenden amerikanischen Tageszeitungen. Die Botschaft der ganzseitigen Annonce, publiziert am 2. September 1987: Die USA müssten in der Aussenpolitik endlich wieder Rückgrat zeigen.

Die ganze Welt lache über Washington, war da zu lesen, und wohlhabende ausländische Nationen lebten auf Kosten der amerikanischen Steuerzahler. Später sagte der Autor, während eines Fernsehinterviews mit Oprah Winfrey, dass er mit seiner Kritik vor allem Japan im Visier habe. Washington lasse es zu, dass japanische Unternehmen ihre Güter in Amerika «verschleuderten»: «Das ist nicht Freihandel. Wenn Sie nach Japan gehen würden und versuchten, dort etwas zu verkaufen, vergessen Sie es, es ist fast unmöglich.»

Japan profitiere im Gegenzug aber von den offenen amerikanischen Grenzen, verkaufe Autos und Videorekorder zu Dumpingpreisen in den USA und mache damit die heimische Konkurrenz «zur Schnecke».

China ist das neue Japan

Richtig geraten: Der Autor dieser nicht gerade subtilen Botschaft war ein gewisser Donald J. Trump – damals noch ein Immobilienspekulant in New York City, heute der Präsident der USA. Und obwohl sich seit 1987, als Trump mit seiner Botschaft «an das amerikanische Volk» erstmals überregional Wellen warf, viel verändert hat – Trump ist seiner Meinung treu geblieben.

Nach wie vor behauptet er (ohne Beweise zu liefern), dass Amerika von Freund und Feind ständig über den Tisch gezogen werde. Deshalb benahm er sich in Brüssel, während eines Gipfeltreffens mit den engsten und treusten Verbündeten der amerikanischen Republik, wie ein Elefant im Porzellanladen. Und deshalb zettelte er einen Handelskrieg an und verhängte Strafzölle auf Importe – darunter vor allem auch Produkte aus China, das Japan als wichtigsten Handelspartner der USA in Asien abgelöst hat.

Im Unterschied zu den Achtzigerjahren, als sich das «stabile Genie» (Trump über Trump) bloss ins Gerede bringen wollte, befindet er sich als Präsident nun im Besitz von Instrumenten, die den Welthandel nachhaltig verändern könnten. So darf er, mit einer fadenscheinigen Begründung, fast sämtliche Importe mit Abgaben belegen.

Sollte die letzte Drohung in die Tat umgesetzt werden und weitere Strafzölle auf chinesische Produkte im Wert von 200 Milliarden Dollar verhängt werden, dann wären fast 90 Prozent sämtlicher US-Importe aus China mit einem Aufschlag von mindestens 10 Prozent des Güterwerts belegt. Dies hätte einschneidende Folgen für ein Land, das sich daran gewöhnt hat, sich mit billigen chinesischen Kleidern, Fernsehgeräten und Spielzeug einzudecken.

Trump behauptet, zumindest indirekt: So weit werde es nicht kommen. Sein Ziel sei es, den Welthandel anzukurbeln, indem er amerikanischen Unternehmen neue Absatzmärkte erschliesse und die Handelspartner dazu zwinge, allfällige Schranken abzubauen, sagt der US-Präsident.

Dem Rest der Welt soll das Lachen vergehen

Höchstwahrscheinlich wird diese Strategie in einigen Fällen funktionieren. So zeigen die führenden deutschen Autobauer Interesse daran, dass die EU und die USA ihre gegenseitigen Strafzölle auf Auto-Importen abschaffen – wohl auch, weil die Deutschen mittlerweile in Amerika ein derart grosses Standbein besitzen, dass sie von einer solchen Liberalisierung gleich doppelt profitieren würden.

In anderen Fällen steht mehr auf dem Spiel als bloss die Frage, in welchem Land deutsche Luxusautos künftig hergestellt werden. Für die Herrschaftsriege in Peking steht eine Wirtschaftsstrategie auf dem Spiel, die bisher garantierte, dass Abermillionen von Chinesinnen und Chinesen auf eine bessere Zukunft hofften.

Wie dieser Konflikt, der sich letztlich um die Zukunft des Freihandels dreht, ausgehen wird, weiss derzeit niemand – auch der Präsident nicht. Selbst wohlmeinende Stimmen sagen, Donald Trump folge allein seinem Bauchgefühl und lasse sich bei der Verfolgung seines Zieles nicht von Beratern aufhalten, die ihm zu erklären versuchen, dass der Welthandel kein Nullsummenspiel ist.

Vielleicht ist es deshalb hilfreich, den genauen Wortlaut des Inserats zu studieren, das Trump 1987 unter anderem in der «New York Times» publizieren liess. Trump will, dass der Rest der Welt nicht mehr über «unser grossartiges Land» lacht. Das ist sein Ziel, und diesem Ziel ordnet er alles unter.