Die Nationalbank kann auf ein überaus erfreuliches Jahr zurückblicken. Der Euro hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um 9 Prozent zum Franken aufgewertet. Die Gemeinschaftswährung hat viel Vertrauen zurückgewonnen. Das spiegelt sich auch in der Erfolgsrechnung der SNB. Diese wird 2017 mit einem Gewinn von über 30 Milliarden Franken abschliessen. Vermutlich wird es das zweitbeste Ergebnis in der 110-jährigen Geschichte des Noteninstituts werden.

Doch so spektakulär der Gewinn auch aussehen mag, so ungewöhnlich ist er nicht. In den vergangenen zehn Jahren hat die Nationalbank fünfmal Gewinne in zweistelliger Milliardenhöhe erzielt. Zweimal resultierten zwar auch zweistellige Milliardenverluste, doch im Durchschnitt verblieb ein Gewinn von über sieben Milliarden Franken pro Jahr. Das ist etwa das Doppelte dessen, was die SNB selber in der Zeit vor der Finanzkrise als ihr jährliches Gewinnpotenzial berechnet hatte.

Die Verdoppelung ist natürlich kein Zufall, sondern Ausdruck der massiven Bilanzausweitung. Die immensen Devisenbestände in der Bilanz der Nationalbank erzeugen nebst grossen Wertschwankungen auch hohe und regelmässige Einnahmen aus Zinsen und Dividenden. Deshalb beläuft sich das Gewinnpotenzial inzwischen auf mindestens 15 Milliarden Franken.

Da ein baldiger substanzieller Rückbau der Bilanz keine realistische Option darstellt, dürfte die Nationalbank noch lange riesige Gewinne einfahren. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, dass sich die Führung um NationalbankPräsident Thomas Jordan einer aufgeklärten Diskussion über die Verwendung dieser Gewinne konsequent verweigert. Ungeachtet der Möglichkeiten hält die SNB die Kantone so kurz, wie sie nur kann. Notenbanker sollten zwar keine Schwätzer sein. Sie sollten jedoch erkennen, dass sie sich nicht aus der Verantwortung stehlen können, indem sie sich der Diskussion verwehren.