Die Vorschläge mögen für viele übertrieben klingen. Geht es nach der SP, sollen künftig Schweizer Arbeitnehmer bei vollem Lohn nur noch 35 Stunden arbeiten müssen. Sie sollen einmal in ihrem Leben ein Jahr bezahlte Ferien nehmen können. Und stellen sie ein Kind oder mehr auf die Welt, sollen die Eltern jeweils während 38 Wochen eine unbezahlte Auszeit nehmen können. Dass viele Forderungen des SP-Wirtschaftspapiers selbst dem parteieigenen rechten Flügel der reformorientierten Plattform zu weit gehen, ist bezeichnend. Wie bei jeder Verabschiedung eines Wirtschaftspapiers muss sich die Partei auch dieses Mal wieder vorwerfen lassen, Weltfremdes in die Welt zu setzen und sich aufzuführen, als lebe sie im Wunderland.

So berechtigt die Skepsis ist, manche Kritiker verkennen auch den Wert eines Parteipapiers. Das Wirtschaftspapier der SP richtet sich in erster Linie gegen innen und nicht gegen aussen. Kaum ein Wähler der Mitte wird künftig die SP wählen, weil sie ihm sozialpolitisch das Blaue vom Himmel verspricht.

Ganz anders sieht es mit der eigenen Gefolgschaft aus. Eine Partei braucht Werte, Überzeugungen und Visionen. Wer ein feuriges Engagement seiner Mitglieder erwartet, muss etwas zu bieten haben – und nichts befeuert den Arbeitseifer so gut wie eine Weltanschauung, die es zu verwirklichen gibt. Es ist denn auch symptomatisch, dass die SP in ihrem Parteiprogramm bis heute an der anachronistischen Überwindung des Kapitalismus festhält.

Die CVP und die BDP politisieren pragmatisch, vernünftig und konsensorientiert. Und sie warten seit langem auf einen Wahlsieg. Ein Zufall dürfte das nicht sein.