Landauf, landab findet in diesen Tagen wieder die alljährliche Metzgete statt. Manche Landgasthöfe werden richtiggehend überrannt. Noch ein bisschen traditioneller als in unseren Breitengraden geht es dabei in der Ajoie zu und her. Die «Saint-Martin» (auf Deutsch: Sankt Martinsfest), das jeweils am zweiten November-Wochenende stattfindet, hat es sogar auf die offizielle Liste der «lebendigen Traditionen» des Bundesamts für Kultur geschafft.

An langen Holztischen essen die Einheimischen (und immer mehr Touristen) dann das, was sie wohl höchstens einmal pro Jahr verspeisen: Öhrli, Schnörrli, Schwänzli, alle Arten von Würsten, ja gar Hirn. Auf die Teller kommt dann so ziemlich alles, was das Schwein hergibt. Damit sich der Magen ob der Schlemmereien nicht umdreht, gönnt man sich dazwischen einen Schnaps – bevorzugt den lokalen «Damassine».

Doch auch vor dem urtümlichsten Fest macht der Lauf der Zeit keinen Halt. In Porrentruy, dem Zentrum des «Saint-Martin», sorgen dieser Tage Vandalen für Aufruhr. Als Protest gegen den ungehemmten Fleischkonsum haben sie Schweine-Dekorationen versprayt und Ohren und Schwänzchen abgerissen. Wer dahinter steckt, ist nicht bekannt.

Die Boulevard-Zeitung «Le Matin» hat derweil die Besitzerin des einzigen vegetarischen Restaurants der Region angefragt, ein alternatives «Saint-Martin»-Menü zuzubereiten. Diese hat die Aufgabe natürlich mit Handkuss angenommen – ihre Neu-Interpretation der Schlachtplatte kommt gar ganz ohne tierische Produkte aus. Im Sulz wabbeln nun Linsen statt Zungen, der Hackfleischbraten besteht aus Gemüsestücken. Genannt hat die Köchin ihr Gericht: «Sans Martin».