Es ist eine Frage, die sich dem Reisenden bei jeder vierten Zugfahrt stellt. Welchen Sitz belegt man in einem Viererabteil, in dem bereits ein Reisender Platz genommen hat? In der Regel sitzt der erste Passagier in Fahrtrichtung am Fenster. Völlig ausgeschlossen ist nun, sich als Nummer zwei direkt neben den ersten Pendler zu setzen. Das könnte als Aufdringlichkeit interpretiert werden und ist darum unbedingt zu vermeiden. Es bleiben die beiden Sitzplätze gegenüber. 

Setzt man sich nun gegenüber ans Fenster, bleibt der Sitzplatz am Gang zwar für einen nächsten Reisenden frei, dafür rückt man dem Gegenüber scheinbar ohne Not auf die Pelle, indem man seine Beinfreiheit einschränkt. Setzt man sich aber auf den Sitz am Gang, droht der strafende Blick des dritten Passagiers. Ihm ist es egal, ob der erste Reisende seine Beine strecken kann. Er will nur nicht durch den engen Raum zwischen den beiden Sitzbänken tänzeln müssen. 

Wer mit Stil pendeln will, dem bleibt nur, vom Gangsitz aus ständig die Lage zu beobachten und sich bei jedem Passagier, der sich nähert, sofort ans Fenster zu rücken. Diese Lauerposition erfordert doppelt so viel Konzentration, wie eine Stunde mit dem Auto im stockenden Kolonnenverkehr die beste Position zu suchen.