Tristan Brenn ist Chefredaktor beim Schweizer Fernsehen. Er tritt eigentlich nie in Erscheinung, was nicht weiter vermisst wird. Doch nun hat er seinen «10vor10»-Anchorman Arthur Honegger versucht zu verteidigen, der sich twitternd in eindeutiger und eindeutig nicht löblicher Art über US-Präsident Donald Trump geäussert hat.

Darf ein Journalist eine Social-Media-Meinung haben, der beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen angestellt ist? Natürlich nicht, sagen diejenigen, die ohnehin keine Freunde der SRG sind. Natürlich schon, sagen diejenigen, die bei Trump ohnehin nur viel Frisur, aber kein gutes Haar finden.

Und was sagt Brenn? Er sagt, ein SRG-Journalist solle keine Meinung äussern, aber Haltung zeigen. Und wenn diese Haltung faktisch als Meinung daherkommt, dann sei dies eben nicht Ausdruck von Meinungsfreiheit, sondern Ausdruck seiner Pflicht, Haltung einzunehmen.

Wer nun lästert, Brenn pflege hier den argumentativen Zirkelschluss, der hat einerseits recht. Andererseits hat Brenn zumindest im Grundsatz recht: Die Unterscheidung von Meinung und Haltung ist im Journalismus grundlegend.

Meinung bezeichnet die konkrete Ansicht eines Journalisten zu einem Thema, sein Dafür oder sein Dagegen. Haltung bezeichnet, aus welcher Perspektive er ein Thema betrachtet. Meinung urteilt, Haltung beschreibt. Aus Haltung kann Meinung entstehen. Meinung im Umkehrschluss als Haltung zu verkaufen, ist aber doch zu billig.

Der Meinungsgehalt wird allerdings nur gerade bei SRG-Mitarbeitern mit der Goldwaage vermessen. Journalisten privater Medien dürfen mischen, wie es ihnen behagt oder zumindest, wie es ihnen ihr Verleger zugesteht.