Für Mobiltelefone gilt die Unschuldsvermutung. Solange nicht einwandfrei erwiesen ist, dass ihre Strahlung das Gehirn schädigt, bleiben die Grenzwerte unverändert. Und so spazieren wir weiterhin strahlend mit dem Telefon am Ohr durchs Leben, obwohl bereits seit zwei Jahren vermutet wird, dass zumindest die Gedächtnisleistung junger Menschen darunter leidet. Nun bestätigt eine zweite Studie den Verdacht, ändern wird sich trotzdem nichts.

Da geben also Krankenkassen und Seniorenvereine Tipps für Gehirnjogging, während eine Generation heranwächst, deren Gehirne bereits im jugendlichen Alter beeinträchtigt werden. Ob der Effekt auch bei Erwachsenen spielt, ist unbekannt. Doch erstaunen würde es nicht – halten wir Erwachsenen doch unsere Geräte weit öfter ans Ohr (und damit ans Hirn) als Jugendliche, die meist schriftlich kommunizieren.

Bis weitere Studienergebnisse vorliegen – und vielleicht dann auch die Gesetzgebung reagiert –, wird es Jahre dauern. Statt darauf zu warten, können wir uns ganz einfach vorbeugend schützen: durch das Verwenden einer Freisprechanlage – und durch die Wahl eines strahlungsarmen Handys.

Der SAR-Wert, der die vom Gewebe absorbierte Strahlungsenergie angibt, kann beim Verkäufer oder Hersteller in Erfahrung gebracht werden. Auch unter den modernsten Smartphones sind Modelle mit erfreulich tiefen Strahlungswerten zu finden. Und falls dies zum Verkaufsargument wird, werden die Hersteller reagieren – rascher als die Schweizer Gesetzgebung.

niklaus.salzmann@azmedien.ch