Am Mittwoch kennen wir das neue Mitglied der Landesregierung. Wer es sein wird, ist naturgemäss noch offen – und doch gab es Bundesratswahlen, deren Ausgang ungewisser schien als die aktuelle. Zu verbreitet ist die Ansicht, dass das Tessin endlich wieder einmal zum Zug kommen soll. Zu wenige Fehler machte dessen Kandidat im Verlauf seiner Kampagne. So würde es nicht erstaunen, wenn es übermorgen heisst: «Gewählt ist – Ignazio Cassis»

Mit einer gewissen Nostalgie blicken wir auf die Zeiten zurück, als die offiziellen Partei-Kandidaten der Bundesversammlung dermassen nicht passten, dass sie auf einen anderen Vertreter – einen Sprengkandidaten – setzten. Auf diese Weise kam etwa Otto Stich (SP) an die Macht. Und SVP-Mann Hansjörg Walter fehlte 2008 eine einzige Stimme (seine eigene!), um sich gegen Ueli Maurer durchzusetzen.

Solche Winkelzüge scheinen bei der nun anstehenden Wahl ausgeschlossen. Eine Sprengkandidatur ist weit und breit nicht in Sicht. Wir haben dafür denjenigen FDP-Parlamentarier mit den geringsten Chancen gefunden: der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen. Abgesehen von der Parteizugehörigkeit spricht so ziemlich alles gegen ihn als «wilden Kandidaten» – ohne, dass er irgendetwas falsch gemacht hätte: Wasserfallen ist kein Lateiner, Wasserfallen ist ein Mann und Wasserfallen kommt aus einem Kanton, der bereits zwei Bundesratssitze innehat.

In diesem Sinn wagen wir die Ansage: Wenn am Mittwoch Christian Wasserfallen zum neuen FDP-Bundesrat gewählt wird, flitzen wir – nur mit einer Berner Fahne verhüllt – so lange über den Bundesplatz, bis uns die Polizei verhaftet.