Es handelt sich um eine störrische Minderheit; wie bizarre Insekten sind sie vom Aussterben bedroht. Man nennt sie «Sprachpolizisten», «Vokabel-Nerds», «Deutsch-Ajatollahs». Einer von der Sorte, eher mit Grimm als mit Ironie, nannte sich gar «Grammatik-Nazi».

Es hat sich eingeschliffen, die Sprachzügel schleifen zu lassen. Denn Ausdruck nach eigener Fasson sei Freiheit; die könne man mit Regeln nicht beschneiden, jemandes Zunge nicht bevormunden (dieses Wortspiel werden die Nerds mit spitzen Lippen abschmecken, ehe sie es runterwürgen). Zum Freiheitsargument lässt sich aus dem Stegreif Folgendes sagen: Haben Sie das Gefühl, wenn sie nach Luft schnappen, bis Panik Sie ergreift, dann fühle sich das an wie Durchatmen? Nicht anders bei der Sprache: Wenn Ihnen «alle Worte fehlen» – macht es Sie etwa glücklich, wenn Sie mit dem Gestammel allein im Regen stehen?

Zu reden «wie einem der Schnabel gewachsen ist» tönt dann eben wie Geklapper und Geschnatter. Verständlich, sich um Zwang und Mühsal herum zu winden, die es braucht, um sich verbal anständig zu schlagen. Und doch kann niemand, der den Schnabel endlich frei öffnen will, das Naturgesetz leugnen: Leute bewerten andere Leute erst mal nach dem Äusseren – und darauf nach dem Sprachgebrauch.