Wie schön, dass das neue Jahr im Baselbiet mit einer positiven Meldung begonnen hat: Allschwil, die bevölkerungsreichste Gemeinde im Kanton, führt eine separate Abfuhr für Plastikmüll ein. Von den rund 90 000 Tonnen Kunststoff, die in der Schweiz jährlich gesammelt und wiederverwertet werden, machte das Haushaltsplastik bisher erst einen Bruchteil aus. Die Recyclingmasse bilden dagegen PET und Industriekunststoffe. Nun sollen sich Allschwils Anwohner ab Februar daran machen, diesen Anteil zu erhöhen, indem sie leere Milchflaschen, Joghurtbecher und Blumentöpfe nicht in den Hausmüll, sondern in gesonderte gelbe Plastikmüllsäcke werfen. Diese werden dann jeden zweiten Dienstag abgeholt.

Das Ganze ist ja freiwillig

Das Ganze soll der Umwelt dienen, schont die Ressourcen und ist für den Einzelnen freiwillig. Bei konsequenter Anwendung können die Allschwilerinnen und Allschwiler Abfallgebühren sparen, da die Plastikmüllsäcke billiger sind als die gewöhnlichen Abfallsäcke. Zudem ist das Ganze für die Gemeindefinanzen kostenneutral. Das unternehmerische Risiko trägt die Lottner AG, eine private Entsorgungsfirma, die sich davon ein Geschäftsmodell verspricht. Darüber, dass die Allschwiler bei der Präsentation am Montag mit ihrer angeblichen Pionierrolle etwas übertrieben haben, darf man angesichts der Eigeninitiative der Gemeinde und ihrer Vorreiterrolle in der Region wirklich nicht meckern, obschon man den «Sammelsack» für Plastikabfälle schweizweit schon seit Jahren an derzeit 200 Verkaufsstellen erhält, und in der Ostschweiz die Firma Innocrecycling bereits 1000 Tonnen Haushaltskunststoffe pro Jahr einsammelt. Also alles in Butter(-folie) mit der neuen Allschwiler Kunststoffabfuhr?

Bürger zahlt, Firmen verdienen

Mitnichten. Stossend am System ist, dass die Plastikabfuhr für den Einzelnen kostenpflichtig ist, während um das wertvolle Brennmaterial Kunststoff bereits ein regelrechter Verteilungskampf zwischen den Kerichtverbrennungsanlagen und den spezialisierten Recyclingfirmen entstanden ist. Im Raum Thun droht sogar ein Rechtsstreit zwischen zwei Entsorgungskonkurrenten um das Sammelgut aus den Gemeinden, wie das Schweizer Fernsehen kürzlich berichtete. Denn von den eingesammelten Haushaltsplastikabfällen kann bestenfalls etwas mehr als die Hälfte wiederverwertet werden, da es laut Experten noch keine Patentlösung für das Recycling von nicht sortenreinem Kunststoff gibt. Der nicht wiederverwendbare Teil wandert darum via Recyclingfirmen in die Verbrennungsöfen der Zementindustrie, wo die Kunststoffe immerhin die Kohle ersetzen können. Wenn Einwohner also neben dem persönlichen Trennaufwand auch noch für die Plastiksäcke bezahlen müssen, tun sie nichts anderes, als aus eigener Tasche den Marktwettbewerb für Brennstoffe zu subventionieren. Dies bei in vielen Gemeinden ohnehin schon überquellenden Abfallkassen. Was für die Papier- und Kartonsammlung gilt, sollte darum auch für den Kunststoff gelten.

Abfall vermeiden kann nur die Industrie

Vollständig für dumm verkauft wird der Konsument, sollte ihm neben dem schlechten ökologischen Gewissen nun auch noch beim Plastikmüll die erzieherische Wirkung von Sackgebühren vorgegaukelt werden. Dabei sind für den Einzelnen die Möglichkeiten zur Abfallvermeidung, wir wissen es alle nach bald drei Jahrzehnten Sackgebühren, äusserst beschränkt – vom illegalen Entsorgen abgesehen. Dort, wo der Kampf gegen den Abfall in der Schweiz eigentlich hätte ansetzen müssen, bei der Verpackungsindustrie und den Verteilern, hat die hohe Recyclingdisziplin der braven Schweizer bloss dazu geführt, dass sich diese mit Verweis auf die Anspruchshaltung der Konsumenten aus der Verantwortung stehlen konnten und weiterhin munter dem Verpackungsirrsinn frönen. Wirklich positiv wäre, nicht mit hohem Energieaufwand den Plastikmüllberg durch Recycling ein bisschen abzutragen, sondern erst gar nicht anwachsen zu lassen.

Duales System als Vorbild

Beispielsweise durch eine Anleihe beim dualen System in Deutschland, wo die Wirtschaft dazu verpflichtet wurde, gebrauchte Verpackungen zurückzunehmen und bei der Entsorgung mitzuwirken. Wir stattdessen müssen noch dafür zahlen, wenn wir brav den Müll trennen und zurückgeben. Denn um die überflüssigen Verpackungen bereits im Verkaufsladen zu entfernen und dort wegzuwerfen - diese Möglichkeit besteht immerhin - sind wir entweder zu vornehm oder zu faul.