Zehn Tage nach dem Steinwurf auf sein Haus reagiert Thomi Jourdan auf die harsche Kritik, die in der Folge auf ihn niedergeprasselt ist. Dass der Muttenzer EVP-Gemeinderat nach der Attacke ein Time-out von der Politik genommen hat, wurde ihm von diversen Kommentatoren als Feigheit und Zeichen der Schwäche ausgelegt. In einem - wirklich unsäglichen - Gastkommentar in der «Basler Zeitung» höhnte der ehemalige Basler Stawa-Sprecher Markus Melzl: «Letztendlich können Jourdan und der Baselbieter Souverän froh sein, bei den Regierungsratswahlen 2013 nicht ihm, sondern Anton Lauber den Vorzug gegeben zu haben.»

Gleichzeitig fodert Melzl die Muttenzer indirekt auf, an den nächsten Gemeinderatswahlen einen neuen Gemeinderat zu wählen, «der über eine hohe Standhaftigkeit verfügt, sich nicht erpressen und schon gar nicht bedrohen lässt». Dies als Anspielung darauf, dass der Muttenzer Gemeinderat nach dem Angriff auf Jourdans Haus den Bau der umstrittenen Handy-Antenne auf dem Hallenbaddach abblasen möchte.

Diesem billigen Populismus hält nun Jourdan in weitaus tiefgründiger Art dagegen. In seinem Blog-Eintrag EINEN RÜCKTRITT ALS EHEMANN
UND VATER WIRD ES NICHT GEBEN! stellt er fest: «Ich für mich weiss, dass es für mich das Leichteste gewesen wäre, einfach weiter zu machen, den Starken zu markieren, der trotz eines solchen Vorfalles unbeirrt an seinem Mandat festhält. Ja, das hätte meinem grundsätzlichen Charakter durchaus entsprochen. Ich wusste aber sehr rasch, dass ich ein solches Ereignis nicht einfach an mir vorbei gehen lassen will. Ich möchte gegenüber mir selbst und meiner Familie nicht einfach so tun, als wäre nichts gewesen.»

Noch habe er nicht entschieden, wie es mit seiner politischen Karriere weitergehen wird. Für ihn steht aber fest: «Ich will meiner Familie und mir selbst den Raum geben herauszufinden, ob es der Wert ist, solcherart Situationen erleben zu müssen, nur weil ich, weil Ehemann und Vater Gemeinderat ist.»

Wenn das Feigheit ist, dann wünsche ich gerade den starken, aufrechten Gutmenschen-Verachtern mehr davon. Wollen wir wirklich seelenlose Maschinen statt Menschen in unseren Miliz-Parlamenten und -Räten?