Bereits zeichnet sich ab, dass es an den Gemeinderatswahlen im Baselbiet Ende Februar 2016 zur grossen Erneuerung in den kommunalen Exekutiven kommen wird. Gestandene Gemeindepräsidenten wie der Prattler Beat Stingelin, die Oberwilerin Lotti Stokar, der Arlesheimer Kalle Zeller oder die Pfeffingerin Maya Greuter stellen sich nicht mehr zur Wahl.

Dagegen gibt es nichts einzuwenden. Sie alle standen während Jahren und Jahrzehnten im Dienst der Öffentlichkeit und haben die Entwicklung ihrer Gemeinden wesentlich mitgeprägt. Alleine in der bz vom Freitag haben sieben weitere Gemeinderätinnen und -räte aus dem Kantonsgebiet ihren Rückzug angekündigt. Zweifellos werden viele weitere folgen.

Entscheidend dabei ist folgender Punkt: Sie alle bestimmen – soweit dies bekannt ist und kommuniziert wird – aus freien Stücken über ihren Rückzug aus der aktiven Politik, nachdem sie an der Urne immer wieder bestätigt worden sind. Niemand wird durch eine Amtszeitbeschränkung aus dem Präsidentenstuhl gedrängt.

Jetzt fordert eine parlamentarische Initiative der SVP, dass im Landrat die bestehende Limite von vier Amtsperioden oder maximal 16 Jahren fallen soll. Legt man der Personalsituation in den politischen Milizgremien die allgemeine gesellschaftliche Tendenz zugrunde, dass sich immer weniger Menschen für immer kürzere Zeit ehrenamtlich für die Gesellschaft engagieren, kann es nur als Witz bezeichnet werden, jene per Amtszeitguillotine kaltzustellen, die in ihrer eigenen Laufbahn Ausdauer und Beharrlichkeit bewiesen haben. Selbst wenn es am Stammtisch immer wieder anders behauptet wird: Niemand wird und bleibt Landrat, weil er daraus finanzielle Vorteile schlägt. Politisches Engagement ist heute in der Regel ein finanzielles und vor allem emotionales Verlustgeschäft.

Wenn ein Landrat zur Wiederwahl mit dem Etikett «bisher» antritt, ist er fast nicht mehr aus dem Amt zu drängen, argumentieren die Verteidiger der Beschränkung. Stimmt nicht, kontern die Gegner: An jeder Gesamterneuerungswahl fliegen Bisherige aus dem Parlament. Ja schon, lautet der Konter des Konters, aber meist nur, wenn die jeweilige Partei schwächelt und Mandate einbüsst. Gegen Sesselkleber von Grossparteien helfe eben nur die Begrenzung der Amtsdauer.

Es ist wie so oft in einer umstrittenen Frage: Beiderseits machen die Argumente Sinn, und jeder hat auf seine Art recht. Doch ist es zu bestreiten, dass die Amtszeitbeschränkung zwar ein historisch nachvollziehbares und in fragilen Demokratien unverzichtbares, aber letztlich künstliches und hinsichtlich der Dauer ziemlich willkürliches Regulativ darstellt? Man sollte den Mut haben, sich in Baselland davon zu verabschieden.

Denn dann werden die Wählerinnen und Wähler zweifellos mit sicherem Instinkt darüber richten können, wann die politische Laufzeit eines Volksvertreters abgelaufen ist, sollten es dieser und seine Partei nicht rechtzeitig selber merken. Bis dahin werden im Landrat die vorzeitigen Aussteiger das mindestens ebenso grosse Problem bleiben wie die Sesselkleber.