Die Region rund um Kapstadt hat es mir dabei besonders angetan. Von Weinbergen bis hin zum Meer gibt es einfach alles. Für mich, der die Kälte nicht mag, also eine optimale Alternative zum tristen Wetter hier in der Schweiz – oder bei schönem Wetter eine Flucht vor den Pollen. Ich gebe zu, dass ich gerne Eindrücke aus anderen Ländern sammle. Gerade nach einer so weiten Reise bin ich mir im Anschluss wieder bewusst, was ich an Basel habe und nicht missen möchte.

Schaut man nach Südafrika, so muss man feststellen, dass gerade in den letzten Jahren die Schere zwischen Arm und Reich (wieder) grösser geworden ist. Das jetzige System des Staatspräsidenten ist von Korruption und Günstlingswirtschaft geprägt, die schwarze Unterschicht vegetiert in den Townships vor sich hin – Aussicht auf Besserung ist nicht in Sicht. Daran werden auch die bevorstehenden Wahlen kaum etwas ändern. Ironischerweise geht es den Einwohnern in der Provinz Westkap noch am besten – genau dort, wo der ANC nicht regiert, sondern eine weisse Premierministerin der Opposition an der Macht ist. Mitbestimmung ist für Südafrikaner – wie in den meisten Ländern dieser Welt – ein Fremdwort. Einzig bei Wahlen kann reagiert werden. Die Unzufriedenheit ist entsprechend gross. Südafrika verliert, weil es von einer korrupten Oberschicht regiert wird, langsam den unter Mandela eingeleiteten Anschluss an die Moderne.

Da wirkt es im Nachgang zur Masseneinwanderungs-Initiative befremdlich, dass in der Schweiz Diskussionen über den Sinn und Unsinn von Volksinitiativen stattfinden. Nicht wenige – zumeist selber Teil der «Classe politique et economique» – befürworten dabei eine Einschränkung der Volksrechte, es soll nicht mehr über alles abgestimmt werden dürfen. Das finde ich fatal. Gerade diese Mitbestimmung ist eine Stärke unseres Systems und darf keinesfalls geopfert werden. Ich will mitbestimmen können, ob 68 Millionen Franken für eine 1,2 Kilometer lange Tramstrecke (Erlenmatt) ausgegeben werden müssen oder ob wir in Basel ein Hochhaus bauen sollen. Das ist direkte Demokratie und diese muss bewahrt werden. Ansonsten wird auch bei uns die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen oben und unten aufgehen.

Es gibt aber auch Punkte, wo uns Südafrika meilenweit voraus ist. Vergleicht man Basel und Kapstadt, muss man feststellen, dass unsere Stadt viel dreckiger ist. Auch Graffiti sucht man dort vergebens, Kapstadt wirkt sauber. Besonders die Service-Freundlichkeit in Shops und Restaurants ist hervorzuheben. Obschon kaum gut entlöhnt, haben die Angestellten ein Lächeln im Gesicht und der Kunde ist König. Im Supermarkt wird die Ware eingepackt, an der Tankstelle der Tank gefüllt, die Autoscheiben geputzt.

Dienstleistungen, die wir hier nicht mehr kennen. Klar, das Lohngefälle ist nicht vergleichbar. Aber manchmal frage ich mich, auch im Hinblick auf die Mindestlohn-Abstimmung, ob nicht weniger mehr wäre. Mit einem weniger reglementierten Arbeitsmarkt wäre wohl gerade für Personen der untersten Bildungsstufe mehr möglich. Es könnten Arbeitsplätze geschaffen werden. Eigentlich etwas, was Gewerkschaften begrüssen müssten. Doch stattdessen stellen sie immer krassere Forderungen.

Dabei geht es nicht um Ausbeutung, sondern darum, dass Menschen mit Arbeitsplatz grundsätzlich zufriedener und motivierter, ergo auch gesünder sind. Ein Rattenschwanz an Positiveffekten also. Kapstadt hat also durchaus teilweise Vorbildcharakter. Weshalb nehmen wir uns diese Punkte nicht zu Herzen? Jobs wie Tankwart, Pool-Boy oder Einpacker an der Kasse wäre ein erster Anfang und ein Schritt in diese Richtung. Dafür braucht es aber seitens der Arbeitnehmervertretungen weniger Regulierung und mehr Flexibilität. Das führt automatisch zu mehr Jobs und somit zu mehr Wohlstand für weniger Privilegierte. Auch in Basel gibt es davon (leider) genug.