Gross war das Geschrei, gerade bei städtischen Politikern, nachdem der Kanton Basel-Landschaft sein jüngstes Sparpaket bekannt gegeben hatte. «OXI» titelte denn auch Kollegin Christine Keller an gleicher Stelle vor einer Woche; wie die Griechen sollten auch die Basler Nein sagen zu solchen Ideen.

Also erstens: Die Baslerinnen und Basler haben da mal vorerst gar nichts zu sagen. Die Entscheidungen werden jenseits der Hülftenschanz getroffen. Und zweitens: Statt lauthals zu protestieren, sollte man das Paket in der Stadt durchaus mal genauer unter die Lupe nehmen. Da findet sich nämlich einiges, dass es wert wäre, auch hier in Erwägung zu ziehen. Aber drittens: Selbstverständlich dürfen wir Städter uns zu denjenigen Punkten des Pakets äussern, die uns und die viel zitierte «Partnerschaft» betreffen. Das wollen wir doch auch gleich als erstes tun.

Ein No-Go aus BS- wie BL-Sicht ist sicher die Kürzung des Uni-Beitrags. Dass dies schon wegen des Automatismus (BS müsste die Beiträge in gleicher Höhe senken) eine unerträgliche Schwächung der Uni zur Folge hätte und für beide Kantone schädlich wäre, haben auch in Liestal und Umgebung schon so viele Entscheidungsträger öffentlich eingesehen, dass man zuversichtlich darauf warten kann, dass diese Idee bald vom Tisch ist.

Ähnlich grosses Geschrei gab es um die beabsichtigte Streichung der U-Abo-Subventionen – meines Erachtens zu Unrecht.. Sicher, das U-Abo ist eine Erfolgsgeschichte – die wird es aber auch bleiben, wenn die damals als Starthilfe gedachten Staatsgelder gestrichen werden. Wenn Herr Wessels den Teufel der vermehrten Staus (die produzieren seine Leute ja mit Vorliebe selbst) und einen negativen Umsteigeeffekt aufs Auto an die Wand malt, dann ist dies schlicht Unsinn. Angesichts der vielen Baustellen, der schikanösen Verkehrsführung und der fehlenden Parkplätze kommen nun wirklich – unbeachtet des U-Abo-Preises – nur diejenigen mit dem Auto in die Stadt, die dies unbedingt müssen.

Wenn Wessels und Co. so weitermachen, kommt ohnehin bald überhaupt niemand mehr freiwillig nach Basel – egal mit welchem Verkehrsmittel. Schliesslich das dritte BS-Geheule wegen der Kürzung der Kulturpauschale: Also da habe ich grösstes Verständnis für «Liestal». Dass BS alles mögliche zur «Kultur» erklärt und subventioniert, dass BS bald jeden selbst ernannten Kulturschaffenden quasi zum Staatsangestellten macht – dies ist eine Sache. Dass BL da nicht unbedingt jeden Unsinn mitmachen will und ein starkes Kürzungspotential sieht, ist gut zu verstehen. Und es sei doch mal verdeutlicht: In Zeiten, wo ein Gemeinwesen den Gürtel wirklich enger schnallen muss, wo wirklich Wichtiges in den Bereichen Sicherheit, Bildung oder Verkehr in Frage gestellt wird, da ist Kulturförderung nun wirklich nur noch ein «Nice-to-have».

Noch kurz zum Analyse-Faktor des BL-Pakets für die Stadt: Das Sparpaket bietet durchaus Nachahmenswertes – man müsste es halt mal genau anschauen. «Kürzungen bei den Honoraren für Beratungen, Experten, Gutachten. Die Dienstleistungen werden intern erbracht.» Dieser Posten würde auch in BS Sinn machen. Dasselbe gilt für das Folgende: «Auflösung der Kommission für Gleichstellung von Frau und Mann.» Und praktisch bei jedem Departement findet man den Posten «Verzicht auf...» oder «Verzögerte Wiederbesetzung einer Stelle». Das schenkt ein, in jedem Fall mindestens 200 000 Franken.

Da liesse sich auch in Basel so manches einsparen – aber am richtigen Ort: nicht bei Polizisten oder Strassenreinigern, sondern in den Teppichetagen der Departemente. Weniger Staatsangestellte dort bedeuten dann vielleicht auch weniger schikanöse oder absurde Vorschriften – man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben ...

Ein kleiner Tipp an die Baselbieter sei aber doch erlaubt: Wenn man schon alle Vereinbarungen mit dem Stadtkanton in Frage stellt, warum nicht diejenigen über die beiden restlos unnützen Luxusprojekte «Herzstück» und Margarethenstich?