Eigentlich muss man Verständnis haben für unseren Regierungspräsidenten. Es muss sehr langweilig und eintönig sein, ein kleines, international (ausser im Tennis und Fussball sowie in gewissen Kunstkreisen) völlig unbedeutendes Gemeinwesen zu präsidieren. Man kommt schon in den lokalen Medien meist nur dann vor, wenn wieder mal ein Missgeschick passiert oder mit Recht über die eigene Daseinsberechtigung diskutiert wird. In den überregionalen Medien oder gar in ausländischen wird Basel nur in Verbindung mit «FC» genannt – und «Morin» höchstens in der Getränke-Werbung (es gibt bekannte Schnäpse dieses Namens).

Da muss man aus Sicht eines Kleinstaat-Oberhaupts doch etwas gegen die eigene Bedeutungslosigkeit unternehmen – zum Beispiel etwas in Basel stattfinden lassen, was international Beachtung und Medien-Echo findet. Wie gut, hat die Schweiz im Jahr 2014 den Vorsitz der OSZE, einer eher unauffälligen, aber doch wichtigen Organisation, die keine Feinde hat und daher auch kaum Widerstand zu erwarten ist. Man bewirbt sich, erhält tatsächlich den Zuschlag und lässt den Grossen Rat ein paar (Millionen) Franken für Organisation und Sicherheit sprechen. Die Rechnung geht auf, ausser ein paar chronischen «Kleingeistern» wie dem Schreibenden stimmen alle zu. Und es kommt noch besser: Dank dem Ukraine-Konflikt und der aktiven Vermittlung des Schweizer Bundespräsidenten ist die OSZE plötzlich in aller Munde. Womit auch auf Basel ein gewisses internationales Interesse fällt. Leider auch von der falschen Seite: Der übliche Verbund von linken Schmalspur-Terroristen formiert sich unter dem sinnigen Titel «OSZE angreifen», die Helfershelfer in gewissen Parteien und Uni-Instituten liefern den intellektuellen und logistischen Unterbau bei gleichzeitiger scheinheiliger Distanzierung von der Gewalt, die so sicher zu erwarten ist wie das Amen in der Kirche.

Der Rest ist bekannt: Eine Woche wird das Kleinbasel um die Messe herum grossräumig zur Festung, bewacht wie ein Hochsicherheitsgefängnis. Wobei man sich dann fragt, wer die Gefangenen sind ... Das Gewerbe in dieser Gegend liegt völlig darnieder, gleich wie der öffentliche Verkehr. Dafür darf man in der Nacht dem sonoren Dröhnen von Drohnen und Helikoptern lauschen. Und als Sahnehäubchen darf das versammelte Chaotentum am Freitagabend noch die Innerstadt lahmlegen, Polizisten verletzen und Häuser beschmieren.

Und der positive Aspekt für Basel? Leider null und nochmals null. Googeln Sie mal «OSZE und Basel» in englischer Sprache. Sie werden kaum Ergebnisse finden – und wenn, dann «Basel» nur als Ortsangabe. Über die Stadt und ihre Vorzüge wurde nicht berichtet. Und – sorry Herr Regierungspräsident – der Name «Morin» fällt erst recht nicht. Kein Wunder, oder wissen Sie, wo die letzten OSZE-Konferenzen stattfanden? Eben! Fazit: OSZE hatte für Basel nur diese Folgen für die Bevölkerung: Belästigungen, Umstände, Zumutungen.

Das bringt unseren «Stapi» nun aber keineswegs dazu, die seinerzeitige Bewerbung zu hinterfragen. Im Gegenteil: Man will sich für weitere Grossanlässe «positionieren». Als Begründung nennt Herr Morin – und dies ist kein Scherz – den ukrainischen Aussenminister, der sich frohgemut an einem Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt gelabt habe. Auch andere hätten ihm gesagt, dass sie sich in Basel sehr wohl gefühlt hätten. Wie unwohl sich in derselben Zeit viele Bewohnerinnen und Bewohner der von ihm präsidierten Stadt gefühlt haben, interessiert ihn anscheinend nicht.

Eine grüne Grossratskollegin hat jüngst in dieser Kolumne Klage darüber geführt, dass die Mitwirkung der Bevölkerung nur selten zu einem Ergebnis führt, das alle zumindest teilweise befriedigt. In diesem Fall, (den sie wahrscheinlich nicht gemeint hat), gebe ich ihr völlig recht: Bei der OSZE-Tagung wurde die betroffene Bevölkerung nie gefragt, ob sie eine Woche in einer Bunker-Festung leben will. Und bei der Veranstaltung selbst wurde die Bevölkerung nicht nur nicht einbezogen – sie wurde ausdrücklich ausgesperrt und mit Zäunen und Plachen sogar daran gehindert, wenigstens einen neugierigen Blick auf die illustren Gäste werfen zu können.

Deshalb meine klare Forderung: Bevor erneut die Grossmannssucht unserer Repräsentanten mit der Durchführung eines derartigen «Events» befriedigt wird, muss zwingend die betroffene Bevölkerung gefragt werden, ob sie das auch will. Und dann will ich wieder die Worte unseres Regierungspräsidenten hören: «Wir nehmen unsere Bevölkerung ernst.»