Dabei spielt es keine Rolle, ob ich ihn auf dem Weg in die Uni-Cafeteria antreffe, mit ihm über die Auslagerung des Reinigungspersonals diskutiere oder ob wir uns an einer Sitzung begegnen. Nun geht er, der Mann, der eine bemerkenswerte akademische Laufbahn hinter sich hat. Er wurde in Italien geboren, studierte, forschte und lehrte in mehreren europäischen Ländern, in den USA und in Israel. Vor 14 Jahren kam der Ägyptologe und Sprachwissenschafter nach Basel, sechs Jahre später wurde er Rektor.

Als Rektor suchte er stets den Konsens und das Gespräch. Besonders gefragt war sein Talent bei der Bologna-Reform. Er versuchte den Spagat zwischen dem angelsächsischen Hochschulsystem und der Wahrung der Tradition. Der Anschluss unserer Hochschule an das 21. Jahrhundert gelang ihm mit der Einführung von drei neuen interdisziplinären Masterstudiengängen, bei denen die Grenzen der einzelnen Königreiche, pardon: Fakultäten, gesprengt wurden. Mit der Strategie 2014 wurden wiederum, als Reverenz an ebendiese Fakultäten, sechs anstatt der bisherigen zwei Schwerpunkte definiert. Er nahm nicht Rücksicht auf die Institute, sondern mit den Life Sciences auch auf unsere wirtschaftliche Grossmacht.

Dieser Abbau von Grenzen ist heute im universitären Alltag sichtbar. Unter seiner Leitung wurde das Sprachenzentrum errichtet. Mit der Stärkung und der Ausweitung von internationalen Kooperationen – namentlich im Oberrheingebiet – lebte er die internationale Lehre und Forschung Tag für Tag.

Während er viele Grenzen innerhalb und rund um die Universität durchbrach, blieb er stets einer Grenzziehung treu: der Trennung zwischen Universität und Politik. Nie stützte er sich auf seine Macht als Rektor und Präsident der Rektorenkonferenz, um sich in aktuelle politische Debatten einzumischen. Ich hätte mir gewünscht, dass er es manchmal getan hätte, beispielsweise, dass er im Voraus auf die fatalen Folgen der Masseneinwanderungsinitiative für Lehre und Forschung hingewiesen hätte. Er öffnete die Grenzen der Universität, schränkte sich aber aus Respekt vor der Politik («Grüezi Frau Grossrätin») selber ein.

Ich danke Antonio Loprieno für seinen Einsatz im Dienst der Wissenschaft. Für seine private und berufliche Zukunft wünsche ich ihm von Herzen alles Gute.

* Sarah Wyss (26) ist SP-Grossrätin und Studentin.