Wenn ein Soldat mit einem undurchdringlichen Schutzpanzer ausgerüstet ist und gleichzeitig mit einem Gewehr, dessen Munition alles durchdringen kann, so spricht man von einem Paradoxon, denn beides gleichzeitig ist schlicht nicht möglich. Paradox ist – zumindest sprachlich – auch, wenn man fanatisch für Toleranz kämpft oder lustvoll für die aktuelle Verbotskultur. Paradoxes findet man in der täglichen Politik, auch hier in Basel. Wobei die Sprachwissenschaft bei einem Paradoxon von einem «scheinbaren Widerspruch» redet, der sich bei genauerer Analyse auflöse. In der Politik gelingt (zumindest mir) das meistens nicht.

So bekämpft man im Basler Iselin-Quartier zur Zeit leidenschaftlich die Ansiedlung eines Scientology-Zentrums. Kaum jemand regt sich aber darüber auf, dass der Claraplatz seit längerem zu einem Zentrum der Salafisten geworden ist, die dort mindestens jeden Samstag den Koran und andere zur Gewalt aufrufende Schriften anbieten. Widerstand gegen das eine, gleichgültige Duldung des anderen: Das ist paradox.

Denn es gibt durchaus Gemeinsamkeiten: Scientology und Islam verstehen sich als alleinselig machende Religionen, und beide Religionen haben einen Propheten; Ron L. Hubbard heisst er bei den einen, Mohammed bei den anderen.

Dann ist es aber vorbei mit den Gemeinsamkeiten. Sicher ist es lästig, mit Dianetik-Schriften belästigt zu werden, und es ist wohl auch richtig, dass die Scientologen gutgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche ziehen. Das Geschäftsmodell von Mike Shiva unterscheidet sich davon bloss unwesentlich.

Aber haben Sie je davon gehört, dass Scientologen Andersgläubige rituell köpfen oder wissen Sie von Selbstmordattentaten im Namen Hubbards? Auch ist meines Wissens noch keine Fatwa ausgegeben worden gegen jemanden, der den Dianetik-Propheten karikiert oder anders lächerlich gemacht hat. Trotzdem kämpft man mit Inbrunst gegen die Scientologen, lässt das Gebaren der Salafisten aber gleichgültig oder sogar mit dem ausdrücklichen Verweis auf Glaubensfreiheit geschehen. Also wenn das mal nicht paradox ist ...

Ein anderes Beispiel: Geschlechtergleichheit wird zu Recht hochgehalten. Da nimmt man auch in Kauf, dass Gesetze nahezu unleserlich werden, weil immer beide Geschlechter gleichermassen genannt werden müssen. Lesen Sie nur diese eine Bestimmung im Entwurf des neuen Gerichtsorganisationsgesetzes: «Wer als Arbeitsrichterin oder und Arbeitsrichter von der Arbeitgeberin oder vom Arbeitgeber zur Arbeitnehmerin oder zum Arbeitnehmer wird oder umgekehrt, scheidet von Gesetzes wegen als Richterin oder Richter aus.» Wie oft gelesen, bis verstanden?

Um die Gleichheit auch im wirtschaftlichen Bereich zu sichern, werden Quotenfrauen geschaffen und eine Bundesrätin will die Lohnpolizei auf die Unternehmen loslassen. Und sogar so weltbewegende Fragen werden diskutiert, ob es im Strassenverkehr neben den Ampelmännchen künftig nicht auch Ampelweibchen braucht.

Die gleichen Kreise, die sich für sogenannte Genderfragen bis zur Lächerlichkeit engagieren, bleiben aber seltsam stumm, wenn ein anatolischer Bauer, den es zu uns verschlagen hat, seine Frau nur in männlicher Begleitung aus dem Haus lässt und ihr jede Integration verwehrt. Und die Tochter dann zur Zwangsheirat in die Heimat verfrachten lässt. Grenzenlose Toleranz auf der einen, massivste Korrektureingriffe fordern auf der anderen Seite. Ist das nun paradox, oder braucht eine Schweizer Frau andere Förderung als eine Muslima?

Mein dringender Wunsch ist folgender: Wir sollten künftig auf solch Paradoxes in der täglichen Politik achten und uns vor allem auf das wirklich Wichtige – oder das wirklich Bedrohende – konzentrieren. Denn eines scheint mir sicher: Vom Ampelmännchen droht wahrscheinlich keine allzu grosse Gefahr für das christlich-jüdische Abendland.