Die Gegnerschaft der Ecopop-Initiative ist gross, vertritt das politische Spektrum von rechts bis links-grün und verurteilt die Initiative aus wirtschaftlicher Seite eindeutig. Trotzdem kommen die vielen stichhaltigen Argumente nicht überall an. Das musste ich in Gesprächen in den letzten Wochen immer wieder feststellen. Stattdessen scheinen sich Wachstumskritik und ein gewisser Fatalismus breitzumachen. Viele Menschen fragen sich, ob es immer so weiter gehen kann mit der Überbauung unseres Landes, mit dem zunehmenden Stress, den immer höheren Löhnen in den Chefetagen einerseits und dem Kampf um billige Arbeitskräfte anderseits und den staatlichen (Steuer-)Wettbewerben um Standortbedingungen für neue Unternehmen, die dann neue Arbeitskräfte ins Land holen.

Hat unsere Wirtschaft Antworten auf diese Sorgen? An einem Podium von Wirtschaftsführern unserer Region war ich enttäuscht. Es gab wie immer nur eine Antwort: Wir brauchen mehr Wachstum und mehr Wettbewerb. Nicht ein einziges Mal fiel das Wort Raumplanung, flankierende Massnahmen, gerechte Löhne, eine nachhaltige Wirtschaftsweise. Seit das Volk den EWR-Vertrag 1992 ablehnte, wurde nicht mehr gefragt, wie wir wachsen wollen. Nie erwähnt, dass Wirtschaftswachstum kein Selbstzweck, sondern vielmehr ein Mittel zu mehr Lebensqualität für alle ist. Also nichts gelernt aus der Abstimmung zur Masseneinwanderung? Das wäre fatal. Denn der Souverän könnte wieder versucht sein, mit der Ecopop-Initiative ein Zeichen zu setzen… Mit viel weitreichenderen Folgen für die Schweiz, als dies schon heute der Fall ist.

Die Ecopop-Initiative ist zutiefst unredlich. Sie gibt vor, Umweltprobleme zu lösen, schlägt aber keine einzige Massnahme vor. Für alle Umwelt- und Entwicklungsprobleme sind «die anderen» und «die Fremden» verantwortlich, weil diese zu viele sind. Die Initianten, darunter Professoren und gut situierte Naturfreunde, haben bewusst die Auseinandersetzung über das bisherige Wachstum ausgeklammert. Sie wollen nicht in der Schweiz selbst die Diskussion führen über eine grüne, ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft oder eine konsequente Umsetzung des Raumplanungsgesetzes. Sie wollen nicht über ihren eigenen Pro-Kopf Verbrauch an Ressourcen reden, der das Dreifache ausmacht, was unsere Erde verträgt.

Nein, die Ecopop-Leute wollen die noch vorhandenen Ressourcen nicht mit anderen Menschen teilen. Entwicklungshilfe reduzieren sie auf Verhütung: Damit nicht noch mehr Menschen auf die Welt kommen, die denselben Wohlstand wollen wie wir. Diese Initiative zeichnet ein so eigennütziges und menschenverachtendes Weltbild, dass es erschreckend ist, wie viele damit liebäugeln. Daher ist es verheerend, wenn sich unsere Wirtschaft zusammen mit der Politik nicht unverzüglich für eine menschenwürdige, nachhaltige Wirtschaftspolitik einsetzt. Damit die Schweiz ein offenes, freies, demokratisches Land mit Perspektiven für unsere Jugend bleibt. Denn eine gerechte Verteilung der Ressourcen, unsere Freiheit und unsere Demokratie sind kein Exklusivrecht. Teilen wir diese nicht mit anderen, gehen sie auch für uns sehr schnell verloren.