Eine fulminante Kommunikationspanne: Dem standortsuchenden Firmenchef zeigt die Baselbieter Wirtschaftsoffensive im Internet, welche Gewerbezonen vom Kanton raumplanerisch zu «strategischen Arbeitsgebieten» erklärt wurden. Doch das interessiert diesen herzlich wenig, wenn er einfach ein präsentables Büro oder eine Montagehalle an günstiger Lage sucht. Was da schiefläuft, ist Ausdruck der Haltung, dass der Kanton das kommuniziert, was er selbst mitteilen möchte – ohne sich zu fragen, was den Empfänger interessieren würde.

Entsprechend stellt man die eigenen amtlichen Denkstrukturen ungefiltert ins Netz. So fand man am Donnerstag als «Wichtigste Neuheiten / aktuelle Ergänzungen» ganz oben auf dem Eintrittportal der Website des Kantons Basel-Landschaft das «Amtsblatt vom 6. August 2015». Dabei war schon für Mani Matter das «Amtsblatt» ein Symbol für Langeweile und Griesgram. Bezeichnenderweise findet sich dieses Bild im Lied von den Bahnhöfen, in denen der Zug immer schon abgefahren ist.

Zum Vergleich: In Basel-Stadt dominiert die Selbstdarstellung «Spirito di Basilea» an der Expo in Mailand das Eröffnungsportal. Und die oberste Rubrik zum Anklicken ist «Tourismus», die einen auf die Site von Basel Tourismus weiterleitet: Da badet man in farbigen Bildern im Rhein, frönt dem Kultur- und Nachtleben oder besucht den Zoo. Auch der ebenso professionelle Internetauftritt von Baselland Tourismus würde dieses «Seht her, so toll ist es bei uns» ausstrahlen. Doch auf der Homepage des Kantons Basel-Landschaft – steif hält er in der Kommunikation an seinem offiziellen, sperrigen und im Alltag ungebräuchlichen Namen fest – fehlt der Link zu diesem anmächelig gestalteten Portal.

Vergleichen wir statt mit Basel-Stadt, was im Baselbiet in der Regel eher allergische Reaktionen als Lerneffekte auslöst, mit dem Aargau: Dieser empfängt den Internet-Reisenden mit einer Diaschau: zuerst «Bildung & Forschung», dann «Kultur & Kunst», gefolgt von «Leben & Wohnen» und «Natur & Landschaft». Dieses letzte Bild bezieht sich auf den «Jurapark», ein Label, das Basel-Landschaft für seine Aussendarstellung partout nicht wollte.

Trotzdem: Alles, was die Aargauer als Amuse-Bouche auftischen, hätten die Landschäftler eigentlich auch. Doch sie beginnen ihren Internet-Auftritt mit «Stichworte A–Z», «Landrat / Parlament», «Regierungsrat», «Gerichte», um dann zu den fünf Direktionen überzugehen. Weiter folgen Staatsarchiv (gähn), Ombudsman, Datenschutz, Finanzkontrolle (schnarch) ... Der Internetauftritt bildet als elektronischer Staatskalender die Verwaltungsstruktur ab. Selbstbewusstsein, Lebensfreude oder gar Lust, diesen Kanton kennen zu lernen?

Nicht einmal in homöopathischer Dosis ... Selbstverständlich muss eine Kantons-Website all die amtlichen Informationen bieten. Das kann man aber wie bei den Aargauern in einer Rubrik «Der Kanton nach Organisation» unterbringen und als Erstes zeigen, was man tut – und nicht, wie man organisatorisch aufgestellt ist.

Nun liesse sich argumentieren, in einem Zeitalter narzisstischer Selbstvermarktung hebe sich solche Bescheidenheit wohltuend ab. Doch es ist im Fall von Basel-Landschaft nicht helvetisches Unterstatement, weswegen man sich sauertöpfischer gibt, als man in Wirklichkeit ist. Vielmehr ist es eben die Fixiertheit darauf, was man selbst mitteilen will. Aber was soll ein standortsuchender CEO von einem Kanton halten, der das Amtsblatt als «wichtigste Neuigkeit» – sorry: «Neuheit» – präsentiert? Man muss hoffen, dass er Mani Matters Bahnhofs-Lied nicht kennt. Sonst könnte er denken: «Das ist der Kanton, in dem stets der Zug schon abgefahren ist.»