Wenn die Mitglieder der Baselbieter EVP dem Vorschlag der Parteileitung zustimmen, werden die Evangelischen im Herbst keine Listenverbindung mit anderen Parteien eingehen; also weder mit ihrer traditionellen Mitte-Partnerin CVP, noch mit ihren neuen Fraktionsfreunden im Landrat, den Grünen.

Dieses Zugeständnis an den rechten EVP-Parteiflügel ist insbesondere für die Sissacher Grünen-Nationalrätin Maya Graf eine schlechte Nachricht, da sie mit einer Listenverbindung mit der EVP ihre Wiederwahl wohl auf sicher gehabt hätte. So aber beginnt für sie eine Zitterpartie bis zum Wahlsonntag am 18. Oktober.

So sehr man für den (mutlosen) Entscheid des EVP-Vorstands Verständnis aufbringen möchte, besagt er letztlich nur eins: Bei den Listenverbindungen geht es einzig und allein um die Verbesserung der Wahlchancen der eigenen Kandidaten. Programmatische Absichten spielen genau so wenig eine Rolle wie ideologische Ansichten oder historisch gewachsene Bindungen.

Da sich die EVP bestenfalls im Rahmen eines breiten Mitte-Bündnisses Hoffnungen auf einen Sitz hätte machen können, dieses aber bereits vorher geplatzt ist, bleibt der jetzige Entscheid für sie folgenlos. Der Normalwähler allerdings dürfte kaum begreifen, wieso die EVP nach dem gefeierten Fraktionsbündnis die Grünen nun bei den Nationalratswahlen im Regen stehen lässt. Auch dies ist wieder so ein Entscheid, der zur oft zitierten Wahlverdrossenheit und zum generellen Unverständnis gegenüber dem Taktikmanöver Listenverbindung beiträgt – das übrigens im Baselbiet auf kantonaler Ebene zurecht abgeschafft wurde.