Das ist auch eine Chance.» Dieser Satz hallt am stärksten nach, möchte man die Gespräche, die die bz am Dienstag mit verschiedensten Sozialdemokraten geführt hat, zusammenfassen. Dass Pia Fankhauser aus gesundheitlichen Gründen per sofort als Präsidentin der Baselbieter SP zurückgetreten ist, ist natürlich zu allererst tragisch. Die Folgen der schweren Lungenentzündung lassen eine Belastung, wie sie das Präsidium einer grossen Kantonalpartei ist, nicht mehr zu. Fankhauser muss sich schonen. Schon alleine deshalb ist ihr Entscheid richtig.

Der neu gewählte Laufner Landrat Linard Candreia, der selbst schon Präsident der SP Graubünden war, sagt: «Das Präsidium beansprucht einen stark. Das kann ich gut nachvollziehen. Heute ist so etwas alleine kaum mehr zu bewältigen.»

Doch Fankhausers Entscheid ist noch aus weiteren Gründen richtig: Die 52-jährige Physiotherapeutin aus Oberwil fühlte sich ganz offensichtlich nicht wohl in ihrer Rolle als Parteipräsidentin. In einem Interview mit dem Internetportal «Onlinereports» sagte sie erst vergangenen Samstag auf die Frage, ob die SP-Niederlage bei den Regierungsratswahlen vom 8. Februar auch für sie persönlich Konsequenzen habe: «Ich frage mich natürlich schon, ob ich diese Partei richtig führe und ob ich die richtige Person für diesen Job bin.» Diese Bemerkung geht eindeutig über die rein gesundheitlichen Probleme hinaus.

Fankhauser war als Präsidentin der SP zu wenig präsent

Unter Fankhauser hatte die SP ein Führungs- und ein Kommunikationsproblem. Bereits vergangenen Oktober kritisierten dies in der bz mehrere SP-Jungpolitiker. Fankhausers Antwort damals: «Ich bin jemand, der sehr zurückhaltend ist. Es gibt Leute, die lieber vor ein Mikrofon stehen als ich.» Und am Samstag doppelte sie nach: «Man muss schon mal etwas klarstellen: Ich bin von der SP gewählt, Präsidentin zu sein. Ich wurde nicht gewählt, um die Kommunikation zu übernehmen.» Dazu passt, dass sie sich jetzt auch nicht selbst zu ihrem Rücktritt äussern möchte.

Natürlich: Von aussen ist nicht zu beurteilen, wie es Fankhauser gesundheitlich im Moment geht. So ist auch offen, ob sie heute im Landrat sitzen wird. Dieses politische Amt möchte sie ja explizit weiterführen. Aber indem sie auf eine schriftliche Anfrage der bz antwortet «Für Interviews stehe ich nicht mehr zur Verfügung», droht sie sich politisch ins Abseits zu manövrieren. Schliesslich bleibt Fankhauser als Landrätin eine vom Volk gewählte Person, die der Öffentlichkeit Rechenschaft schuldig ist.

Der Entscheid, das Parteipräsidium abzugeben, muss auch als Eingeständnis gelesen werden, die SP nicht genügend stark repräsentieren und führen zu können. Vor allem in einer politisch für die SP so schwierigen Zeit, in der es gilt, bei den National- und Ständeratswahlen im Herbst eine weitere Schwächung zu verhindern und sich kantonal als Oppositionspartei neu zu positionieren, sind diese Eigenschaften entscheidend. Womit wir wieder bei jenem Satz sind, den viele Sozialdemokraten am Tag des Rücktritts äusserten: «Das ist auch eine Chance.»

Sieht die Parteileitung um die beiden Vizepräsidenten Christoph Hänggi und Regula Nebiker die Vakanz ebenfalls als Gelegenheit für einen echten Neustart, so wird der Rücktritt letztlich garantiert befreiend wirken. Candreia sagt dazu: «Die Partei muss jetzt motiviert und dynamisch sein.»

Die ganze Geschäftsleitung muss sich hinterfragen

Warum also nicht das umsetzen, was mehrere SPler bereits in der bz forderten: ein Co-Präsidium. Mit einem erfahrenen und einem jungen Politiker an der Spitze, könnte die SP im Baselbiet die politischen Niederlagen ad acta legen und nach vorne schauen. Und es darf festgehalten werden: Das Personal dazu wäre vorhanden. Es braucht allerdings den Mut, auf Leute zu setzen, die zurzeit in der Parteihierarchie nicht zuoberst stehen.

Zu einem richtigen Neustart gehört nämlich auch, dass sich die bestehende Geschäftsleitung hinterfragt. Denn für die politischen Misserfolge kann Fankhauser wahrlich nicht alleine verantwortlich gemacht werden. Und das ist eben ein weiterer positiver Aspekt: Mit ihrem Abtritt hat Pia Fankhauser die ganze SP wachgerüttelt und die Parteispitze unter Druck gesetzt, etwas grundlegend zu ändern. Dafür sollten die Genossen ihr dankbar sein.